Kirche

Brasilien-Reise des Papstes gerät zum Triumphzug

Sie hatten es geübt am Vortag, und fast alle Kardinäle machten fleißig mit: Für den größten Flashmob der Welt, am Sonntag am Copacabana-Strand, legten sich viele der ranghohen Gottesdiener mächtig ins Zeug.

Venezuelas Kardinal Jorge Urosa zum Beispiel hatte sichtlich Spaß an der Probe. Strahlend tanzte der Erzbischof von Caracas zu den rhythmischen Klängen, als würde er täglich das Tanzbein schwingen. Auch der ein oder andere afrikanische Kirchenmann zeigte keine Berührungsängste mit dem lateinamerikanischen Sakro-Pop, der so ganz anders ist als die klassische europäische Kirchenmusik. Und die fast drei Millionen jungen Pilger in Rio de Janeiro verwandelten den Strand innerhalb von Sekunden zu einer beeindruckenden Tanzbühne.

Weiter oben auf der Weltjugendtagbühne aber verfolgten einige Kardinäle und Bischöfe regungslos und mit versteinerter Miene das Schauspiel. Sie verweigerten sich dieser tänzerischen Dynamik. Bewegungslosigkeit als Protest. Sie können nichts oder nur wenig anfangen mit dem brasilianischen Schauspiel, einem Mix aus Schauspiel, Pop und Show, das so gar nichts mehr zu tun hat mit dem traditionellen Gottesdienst wie ihn die Europäer kennen.

Man kann diese Szene überinterpretieren, aber sie spiegelt ein klein wenig das Innenleben der katholischen Kirche wieder. Mit Papst Franziskus, dem Argentinier, wird die Kirche lateinamerikanischer. Es ist eine Art Globalisierung der Kirche, die sich da abspielt, nur dass die Veränderung diesmal nicht aus der westlichen Welt, sondern aus Lateinamerika kommt. Das ruft Begeisterung, aber auch Zurückhaltung hervor. Denn sie entmachtet ein Stück weit die westliche Welt und verteilt die Entscheidungsgewalt auf andere Schultern.

Die Brasilien-Reise Franziskus’ gleicht bislang jedenfalls einem Triumphzug. Sie trifft den gesellschaftlichen Zeitgeist Lateinamerikas. Der Heimatkontinent des Papstes ist dabei, sich mehr und mehr von den USA und Europa zu emanzipieren. Die Länder schweißen sich zusammen, auch über politische Lager hinweg.

Mit Spannung wird erwartet, wen Franziskus als Nachfolger für den einflussreichen Posten des ungeliebten Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone präsentieren wird. Dessen Ablösung erwarten Experten für den Herbst. Es wird auch eine Personalentscheidung zwischen neuer und alter Welt.