Therapie

Bogenschießen für Körperbewusstsein und Muskulatur

Pfeil und Bogen dienen der Therapie von Beschwerden

Einst waren Pfeil und Bogen Waffen für Jagd und Krieg. Heute ist Bogenschießen olympischer Sport, Freizeitspaß und immer häufiger auch ein Mittel der Gesundheitsförderung, etwa gegen orthopädische und seelischen Probleme. In Deutschland sind etwa 50.000 Menschen Bogenschützen, schätzt Klaus Lindau. Der Bogenreferent des Schützenbunds führt die gestiegene Beliebtheit auf den Wunsch nach Natur und Abenteuer zurück, aber auch darauf, dass der Sport die Körperbeherrschung schult. „Man muss sich sehr mit dem eigenen Körper beschäftigen.“ Wenn der Bogen gespannt wird, der Pfeil die Sehne verlässt und sich kurz darauf in die Zielscheibe bohrt, empfänden viele Schützen ein Glücksgefühl. „Man ist selbst dafür verantwortlich, ob man trifft oder nicht. Dieses hohe Maß an Eigenverantwortung macht Spaß“, so Lindau.

Weil die Muskulatur gestärkt und der aufrechte Stand eingeübt wird, profitieren Rücken und Wirbelsäule. Daher sei es auch ein anerkannter Rehasport. Zudem „passier“ dabei etwas, das sei „interessanter als im Fitnessstudio Eisen zu heben.“ Für manche Menschen ist es sogar der erste Schritt, sich überhaupt einmal sportlich zu betätigen, erzählt Martin Scholz. Der Coach und Heilpraktiker für Psychotherapie arbeitet in Dortmund unter anderem mit Kindern und Jugendlichen, die unter Fettleibigkeit leiden. Sie wiegen so viel, dass Joggen zum Abnehmen wenig sinnvoll ist, Bogenschießen können sie jedoch.

„Sie haben relativ schnell Erfolg und merken: Du kannst etwas! Und irgendwann kommen sie an den Punkt, an dem sie eventuell auch laufen oder Rad fahren können“, sagt Scholz. Die Erfahrung mit Pfeil und Bogen kann also dazu beitragen, das Selbstwertgefühl zu steigern. Zudem verbessert sie Wahrnehmungsfähigkeit und Konzentration. Es fördert die Entspannung und schützt vor Stress, wie Studien gezeigt haben. Daher wird es oft auch in psychosomatischen Kliniken eingesetzt, zum Beispiel bei Burnout oder Essstörungen. Scholz hat auch gute Erfahrungen bei Heranwachsenden gemacht, die unter einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. „Kinder, die rumzappeln, verändern sich, wenn sie einen Bogen in die Hand nehmen.“ Allerdings sei Bogenschießen nur eine ergänzende Therapieform – etwa im Rahmen einer Gesprächstherapie oder einer psychosomatischen Behandlung.

Klar ist aber auch: Wer gut werden will, muss üben. Denn Bogenschießen ist anspruchsvoll. In Filmen mit Robin Hood scheint der Umgang mit dem Bogen kinderleicht. Aber für eine gute Ausführung ist viel Übung erforderlich.