Personalie

Siemens-Aufsichtsrat verhandelt über Löschers Schicksal

Nach dem Schock an den Börsen durch die jüngste Gewinnwarnung von Siemens wächst der Druck auf Konzernchef Peter Löscher.

Die Aufsichtsratsfraktionen des Komnzerns verhandeln offenbar bereits an diesem Wochenende über die Zukunft des angeschlagenen Vorstandschefs. Die Kapital- und Arbeitnehmervertreter träfen sich jeweils getrennt in München, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Ganz oben auf den Tagesordnungen der Vorbesprechungen stehe jeweils „die zukünftige Zusammensetzung des Vorstands“. Das gesamte Kontrollgremium trifft sich am Mittwoch regulär zu seiner offiziellen Sitzung in München.

Löscher steht wegen der jüngsten Gewinnwarnung und einer Reihe von vorangegangenen Misserfolgen unter Druck. Erst am Donnerstag hat er sein selbstgestecktes Ziel aufgeben müssen, den Technologiekonzern bis 2014 auf eine operative Rendite von zwölf Prozent zu hieven. Zur Begründung wurde lediglich auf „geringere Markterwartungen“ verwiesen. Die neuerlichen schlechten Nachrichten hatten die Börsen verschreckt. Zeitweise waren die Siemens-Aktien am Donnerstag um rund sieben Prozent abgesackt. Löscher hatte bereits Anfang Mai die Prognose für das laufende Geschäftsjahr, das Ende September endet, nach unten korrigieren müssen. Der Konzern bekommt die Konjunkturflaute mit einer schwächeren Wachstumsdynamik in den Schwellenländern zu spüren.

Seit seinem Amtsantritt musste Löscher insgesamt sechs Mal seine Voraussagen ändern. Zudem wird Siemens durch zahlreiche Trennungen von Sparten immer kleiner, während Konkurrenten wie ABB oder GE wachsen. Der Konzernchef hat zwar wiederholt den Gewinn seines Hauses nach oben getrieben, der Börsenwert sackte indes um knapp ein Viertel ab.

Hinzu kommen hohe Belastungen aus hausgemachten Projekt-Pannen. Dazu zählt die verspätete Lieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn sowie Verzögerungen bei der Anbindung von Nordsee-Windparks. Aber auch bei Windkraftanlagen an Land in den USA musste Siemens einen Unfall und Reparaturarbeiten melden. Auch unter den Arbeitnehmern gärt es. Mit seinem aktuellen Sparkurs und dem Wegfall von 10.000 Stellen weltweit brachte Löscher die Belegschaft gegen sich auf. Gewerkschafter fordern eine Strategie für Deutschland, wo Siemens in der Ägide Löscher rund 25.000 Stellen gestrichen hat – allein im fortgeführten Geschäft.

Am kommenden Donnerstag will der Konzern die Zahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres (30. September) vorlegen.