Wahlen

Steinbrücks Expertin im Spagat

Bankerin Christiane Krajewski muss liberale Ansichten an linkes SPD-Programm anpassen

Christiane wer? Als SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Christiane Krajewski Anfang Juni als Wirtschaftsexpertin für sein Kompetenzteam vorstellte, mussten sich viele den Namen der 64-Jährigen erst einmal buchstabieren lassen.

Daran hat sich eineinhalb Monate später wenig geändert. Dabei ist Krajewski eine der interessanten, weil überraschenden Figuren im sonst eher spröden Steinbrück-Team. Denn der Lebenslauf der studierten Volkswirtin liest sich so gar nicht wie der einer typischen SPD-Parteifrau. In den Neunzigerjahren arbeitete sie als Ministerin im Saarland für Parteiflüchtling Oskar Lafontaine, zuletzt war sie zwölf Jahre als Investmentbankerin tätig.

Ausgerechnet eine Investmentbankerin und Wegbegleiterin von Lafontaine soll für Wirtschaftskompetenz der Sozialdemokratie stehen? Das dürfte nicht jedem in der SPD schmecken. Auf die Frage, ob sie nach ihrer Nominierung ins Kompetenzteam auf Vorbehalte in der Partei gestoßen sei, lächelt Krajewski: „Ich werde in der SPD freundlich behandelt. Sie ist für mich wie eine Familie. Und ich habe noch nie überlegt, mich von der Familie zu trennen.“

Die 64-Jährige wählt ihre Worte behutsam, ihre Auftreten strahlt eine angenehme Ruhe und Gelassenheit aus. Sie wirkt wenig wie eine aalglatte Bankerin, mehr wie eine Art gutmütige Kümmerin im Stile Hannelore Krafts. In früheren Porträts wurde über sie geschrieben, sie habe die Aura einer Schuldirektorin.

Krajewski soll in Steinbrücks Schattenkabinett den Wirtschaftsflügel abdecken. Und sie sagt Sätze wie den, dass „man den Markt machen lassen soll, dort, wo er funktioniert“. Krajewski steht vor dem Spagat, ihre liberalen Überzeugungen mit dem linken Programm der SPD in Einklang zu bringen. Zumindest nach außen hin hat sie kein Problem damit, neue Finanzregeln wie das Trennbankengesetz mitzutragen, die vielen ihrer Kollegen in den Frankfurter Türmen ein Gräuel sind. „Die Banken müssen wieder zu einem ehrbaren Kaufmann werden“, sagt Krajewski. Die Wirtschaft brauche Leitplanken. Das Thema „Markt und Moral“ sei ihr wichtig.

Über abstrakt wirtschaftsphilosophische Fragen hinaus hat Krajewksi auch einen konkreten Maßnahmenplan entwickelt, den sie als Wirtschaftsministerin umsetzen würde. „Schwarz-Gelb hat das Land unter Wert regiert und die Substanz des Landes verprasst“, sagt sie. Und will deshalb jährlich zwei Milliarden Euro mehr in die Verkehrsinfrastruktur stecken. 20 Milliarden mehr sollen in Bildung und Wissenschaft fließen. Außerdem will sie über verschiedene Maßnahmen mehr Fachkräfte anwerben und Innovationen und Existenzgründungen fördern.

Sie will einen 100 Millionen Euro schweren „deutschen Innovationsfonds“ auflegen, der junge Unternehmen bei der Forschung unterstützen soll. Das klingt allerdings aber alles weniger nach dem Setzen eines Ordnungsrahmens als nach Marktinterventionismus.