Service

Virtuelle Mitfahrt im Paketwagen

Kunden können Zustellfahrzeug im Internet verfolgen und Lieferung auf 15 Minuten eingrenzen

Paketempfänger in Großbritannien müssen sich nicht so oft darüber ärgern, dass sie eine Sendung verpasst haben, deshalb länger auf ihre Onlinebestellung warten oder sich zur nächsten Abholstelle aufmachen müssen. Der Grund dafür: Der Service eines Paketdienstes macht es jetzt möglich, die Zustellung zeitgleich im Internet zu verfolgen und den Zeitpunkt der Ablieferung an der Haustür auf 15 Minuten einzugrenzen. Doch die Absicht der Firma ist auch klar: Das Unternehmen will die hohen Kosten bei der Zustellung an Privatadressen endlich besser in den Griff bekommen.

Großbritannien gilt bei Paketdiensten als besonders innovativ. Das wiederum liegt am überdurchschnittlichen Zuwachs bei den Onlinehändlern: In der ersten Jahreshälfte des laufenden Jahres ist der Umsatz im britischen Onlinehandel um immerhin 16 Prozent gestiegen, im Jahr 2012 waren es dem E-Retail-Sales-Index von Capgemini zufolge 14 Prozent. Der durchschnittliche Online-Umsatz pro Einwohner lag in dem Land der Studie zufolge demnach bei hohen 1333 Euro – in Deutschland waren es gerade einmal 461 Euro.

Unter dem Namen „Follow my parcel“ (übersetzt: „Folge meinem Paket“) bietet der Zusteller DPD jetzt den Empfängern an, dass sie über das Internet die Fahrt des Paketlasters verfolgen und die Ablieferung an ihrer Haustür bis auf 15 Minuten eingrenzen können. Diese Neuheit will DPD in den kommenden Tagen bekannt geben, der Berliner Morgenpost liegen die Pläne bereits vor.

Und so funktioniert es: Der Kunde teilt dem Onlinehändler bei seiner Bestellung die E-Mail-Adresse und Handynummer mit. Erste Nutzer des Services sind Amazon UK sowie der Modehändler Asos. Per Kurznachricht auf das Handy oder E-Mail werden die Kunden am Tag der Zustellung darüber informiert, wann und wohin ihre Pakete abgeliefert werden – und wie der Paketfahrer heißt. Über das Internet kann der Kunde dann verfolgen, wo der DPD-Wagen gerade unterwegs ist. Genutzt wird das sogenannte Geo-Tracking über GPS-Satelliten zusammen mit Onlinetechnologie für Straßenkarten. Per Kurznachricht kann der Kunde die Sendung auch noch kurz vor der Ablieferung an eine andere Adresse umleiten oder um einen Tag verschieben.

In der Branche der Paketdienste gibt es solch eine Zustellzeit bis auf 15 Minuten sowie eine interaktive Sendungsverfolgung samt Möglichkeit der Umleitung bislang nicht. „Der Service wird auch nach Deutschland kommen. Der Termin steht noch nicht ganz fest, wahrscheinlich aber nächstes Jahr“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Allesamt haben Paketdienste große Schwierigkeiten damit, Privatkunden zu Hause anzutreffen. Der in der Branche Stoppkosten genannte Aufwand ist bei privaten Adressen wesentlich höher als bei Geschäftsadressen. Doch nun kommen durch den boomenden Onlinehandel immer mehr Privatkunden hinzu. „Die Entwicklung ist von den Kosten getrieben“, sagte Horst Manner-Romberg, Chef der Beratungsfirma MRU. Nur wenn die erste Zustellung bereits erfolgreich ist, verdient der Paketdienst auch an dem Versandgeschäft. Die Innovation von DPD sei eine Möglichkeit, die Privatzustellung erfolgreicher zu machen.