Gesundheit

Gefahr aus der Tube

Studie: Jedes dritte Pflegeprodukt enthält hormonell wirkende Chemie

Verfrühte Pubertät, verminderte Fruchtbarkeit, Brustkrebs: Hormonell wirkende Chemikalien in Kosmetik bergen nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erhebliche Gesundheitsgefahren. Wie der BUND in einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie feststellte, enthält fast jedes dritte Körperpflegeprodukt solche Substanzen.

Die Verwendung dieser Stoffe sei zwar legal, sagte die Verfasserin der BUND-Studie, Sarah Häuser. Allerdings wirkten sie ähnlich wie körpereigene Hormone und könnten die körperliche Entwicklung stören. Besonders gefährdet seien Föten im Mutterleib, Kinder und Pubertierende. Erwachsene würden durch ein einzelnes Körperpflegeprodukt mit hormonellen Schadstoffen in der Regel nicht krank, sagte Häuser. Doch da sie täglich mehrere Körperpflegeprodukte wie Duschgel, Shampoo, Zahnpasta, Deodorant, Hautcreme und Sonnenschutz nutzten und jedes fünfte der getesteten Produkte mehrere hormonelle Schadstoffe enthalte, seien sie durch das Zusammenwirken verschiedener Chemikalien als Hormoncocktail gefährdet. So hätten europaweit auch aufgrund der hormonellen Schadstoffe bis zu 40 Prozent der jungen Männer eine verminderte Spermienqualität, würden Jungen zunehmend mit missgebildeten Genitalien geboren und seien hormonbedingte Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs häufiger geworden.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte dieses Jahr hormonell wirksame Chemikalien als „globale Bedrohung“ bezeichnet. Daher forderte der BUND von den Kosmetikherstellern, in Kosmetika auf hormonell wirksame Chemikalien zu verzichten. Der Chemieexperte des BUND, Jurek Vengels, forderte das Verbraucherschutzministerium auf, hormonell wirkende Chemikalien in Körperpflegeprodukten zu verbieten. „Bei bei den großen Marken ist knapp die Hälfte der Produkte betroffen“, so Vengels. Er verwies auf Dänemark, das kürzlich zwei dieser Schadstoffe für Kinder unter drei Jahren verboten habe. Der BUND hatte mehr als 60.000 Produkte ausgewertet. Bei den Marktführern Beiersdorf und L’Oréal waren demnach fast in jedem zweiten überprüften Produkt hormonell wirksame Chemikalien zu finden. Die Eigenmarken der Drogerieketten dm und Rossmann schnitten dagegen mit einer Schadstoffbelastung zwischen 17 und 27 Prozent besser ab. Vollständig unbelastet sei in der Regel nur Naturkosmetik.

Hormonell wirksame Chemikalien werden in Kosmetika vor allem als Konservierungsmittel oder UV-Filter eingesetzt. Hersteller nutzten diese Stoffe, da sie kostengünstig seien und nicht allergieauslösend wirkten, sagte Häuser. Außerdem stellte der BUND am Mittwoch in Berlin eine kostenlose iPhone-App vor. Die „ToxFox-App“ ermöglicht es, den Barcode von Kosmetikprodukten zu scannen und zu erkennen, ob hormonell wirksame Stoffe enthalten sind. Bei belasteten Produkten lässt sich über die App außerdem eine Protestmail an den Hersteller senden.