Gerichtsverhandlung

Untreue-Prozess: HSH-Vorstände fühlen sich vorverurteilt

Der Untreue-Prozess gegen sechs ehemalige Vorstandsmitglieder der HSH Nordbank hat mit scharfer Kritik der Verteidiger an der Staatsanwaltschaft begonnen.

Die Anklageschrift sei zu wertend, sagte die Verteidigerin des ehemaligen Leiters des Immobilien- und Firmenkundengeschäfts der Landesbank, Bernhard Visker, heute vor dem Hamburger Landgericht.

Sie verstoße damit gegen den Grundsatz, dass nicht der Angeklagte seine Unschuld, sondern das Gericht seine Schuld beweisen müsse. „Die Medien haben schon eine Vorverurteilung getroffen“, ergänzte die Verteidigerin. Das Gericht wies nach kurzer Beratung aber den Antrag der Prozessvertreter von Visker und des ehemaligen Vorstands Peter Rieck ab, Teile der Anklage nicht zu verlesen. Die Angeklagten wollten sich zunächst nicht zur Sache äußern. Es ist der erste Prozess in Europa, in dem ein kompletter Bankvorstand auf der Anklagebank sitzt. Die Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher und fünf weitere Manager. Die Anklage wirft ihnen gemeinschaftlich begangene Untreue in einem besonders schweren Fall vor.