Pädophiler Strömungen

Missbrauchsfälle bringen Grüne in Erklärungsnot

Opfer schildern pädophile Übergriffe. Union forderte vor der Wahl Aufklärung

Neue Missbrauchsvorwürfe bringen die Grünen mitten im Bundestagswahlkampf in Bedrängnis. CDU und CSU verlangten am Wochenende eine zügigere Aufklärung pädophiler Strömungen in der Ökopartei aus der Anfangszeit in den 80er-Jahren. „Das Pädophilie-Problem der Grünen wird offenkundig immer größer“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsbundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), der Berliner Morgenpost. „Es wird Zeit, dass die Spitze der Bundes-Grünen die Vorgänge vor der Bundestagswahl aufklärt und den moralischen Ansprüchen gerecht wird, die sie sonst stets an andere stellt.“ Dabei müsse sie zügig erklären, inwieweit es eine finanzielle oder politische Unterstützung der Pädophilenszene durch die Grünen gegeben habe.

Die Berliner Morgenpost hatte enthüllt, dass die Grünen eine größere Nähe zur Pädophilie hatten als bislang bekannt. Nach den Schilderungen zweier ehemaliger Mitbewohner einer Wohngemeinschaft im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort kam es in den 80er-Jahren regelmäßig zu sexuellen Übergriffen – beteiligt war demnach das damalige Landesvorstandsmitglied der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Hermann Meer.

Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär warf den Grünen vor, die Aufklärung der Pädophilie-Vergangenheit zu verschleppen, um sich über die Wahl zu retten. „Das sind unfassbare Schilderungen. Ich glaube, dass das Pädophilie-Problem viel tiefer in der Grünen-Partei verankert ist, als die Grünen es bislang zugeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei den Grünen wirklich ein Interesse an echter Aufklärung besteht. Sonst würde man noch vor der Bundestagswahl alles offenlegen.“

Grünen-Chef Cem Özdemir zeigte sich jedoch bestürzt. „Diese Berichte machen uns sehr betroffen“, sagte er. „Wir nehmen die Informationen, wonach jemand, der Kinder missbraucht hat, bei den Grünen engagiert war und wonach in dessen Umfeld eine grüne Veranstaltung stattfand, sehr ernst.“ Es zeige sich, wie notwendig das vom Grünen-Bundesvorstand initiierte Forschungsprojekt zur Aufarbeitung sei.

Auch der heutige nordrhein-westfälische Grünen-Landesvorsitzende Sven Lehmann äußerte Betroffenheit. „Hermann Meer lebt nicht mehr und kann leider nicht zur Verantwortung gezogen werden. Aber die Opfer haben ein Recht auf schonungslose Aufklärung“, sagte Lehmann. Der Landesverband NRW beteilige sich an der Aufarbeitung der Vergangenheit finanziell und stelle auch alle Dokumente und Protokolle aus der Zeit zur Verfügung. „Leider gab es Anfang der 80er auch eine falsch verstandene Toleranz gegenüber Pädophilen. Diese haben zu lange agieren dürfen, ehe ihnen ein Riegel vorgeschoben wurde. Heute wäre das nicht mehr möglich“, so Lehmann.

Einer der Betroffenen, der damals nach eigener Erinnerung zwölf Jahre alt gewesen war, wirft dem inzwischen verstorbenen Meer vor, ihn regelmäßig zu sexuellen Handlungen gedrängt zu haben. Der Grünen-Politiker Meer war Vereinsvorsitzender der Lebensgemeinschaft, die offiziell zur Emmaus Gemeinschaft gehörte und die Prinzipien von Mitgefühl und Selbstlosigkeit hochhielt.