Öffentliche Kritik

Irans neuer Präsident Rohani rechnet mit Ahmadinedschad ab

Der im Juni neu gewählte iranische Präsident Hassan Rohani hat erstmals seinen scheidenden Amtsvorgänger Mahmud Ahmadinedschad öffentlich kritisiert und ihm politische Misserfolge bescheinigt.

Mehrere iranische Zeitungen zitierten Rohani am Montag mit den Worten, nach seiner Analyse sei die Wirtschaftslage erheblich schlechter, als sein Vorgänger propagiere. So seien etwa in den Jahren 2006 bis 2012 jährlich nur 14.000 neue Jobs entstanden – und nicht Hunderttausende, wie Ahmadinedschad behaupte. Auch betrage die Inflation aktuell 42 Prozent und nicht 32, wie es offiziell heiße.

Der scheidende Staatschef hinterlasse sehr viel unerledigte Arbeit, sagte Rohani. Der 64-jährige Geistliche und frühere Atomunterhändler übernimmt die Amtsgeschäfte offiziell im August. In einer Rede vor Parlamentsabgeordneten am 14. Juli soll Rohani laut Radio Free Europe gesagt haben, seine Administration werde „keine Konfrontation mit dem Parlament“ betreiben und die Volksvertretung nicht mit „unkorrekten Statistiken in die Irre führen“. Beides wird als deutliche Kritik an seinem Vorgänger Ahmadinedschad gewertet. Die vergangene Legislaturperiode war von schweren Zerwürfnissen zwischen Ahmadinedschad und dem Parlament geprägt.