Militär

Exil-Iraner berichten von Atomanlage

Geheimes Projekt soll bereits in zweite Bauphase gehen

Die iranische Oppositionsgruppe „Volksmudschaheddin“ hat nach eigenen Angaben Informationen über eine bislang geheime Atomanlage nördlich der Hauptstadt Teheran erhalten. Vier bis zu 550 Meter lange Tunnel sowie vier Lagerhäuser befänden sich zehn Kilometer östlich der Stadt Damavand, hieß es in einer am Donnerstag in Paris veröffentlichten Erklärung des Nationalen Widerstandsrats des Iran. Das Projekt trage den Codenamen „Madan Sharq“ (östliche Mine). Die Arbeiten hätten 2006 begonnen. Das Gelände soll dem Verteidigungsministerium gehören. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) reagierte zurückhaltend auf die Angaben und kündigte eine Überprüfung an.

Der Widerstandsrat mit Sitz im Großraum Paris ist das politische Sprachrohr der militanten Volksmudschaheddin des Iran und hat schon mehrfach Informationen über Teherans Atomprogramm geliefert. Ihre Informanten hätten im Laufe eines Jahres aus Regierungsstellen verlässliche Angaben zu der bisher strikt geheim gehaltenen Anlage erhalten, erklärte der Rat. Unter dem Codenamen „Projekt Kossar“ seien seit 2006 Tunnel und oberirdische Lager in den Bergen nördlich von Damawand angelegt worden. Die erste Bauphase sei kürzlich abgeschlossen worden. Die zweite Phase habe laut der Erklärung bereits vor kurzem begonnen. Ziel sei es, insgesamt 30 Tunnel und ebenso viele Lager zu bauen. Die Gesellschaft Iman Gostaran Mohit überwache das geheime Projekt. Deren Chef, Mohsen Fachrisadeh, gelte in der Sache als „eine Schlüsselfigur des iranischen Atomprogramms“.

Die IAEA hatte bei ihren Verhandlungen mit Teheran in der Vergangenheit mehrfach vergeblich versucht, Fachrisadeh zu treffen. Am Donnerstag erklärte die Behörde mit Sitz in Wien, sie werde „die bereitgestellten Informationen bewerten, wie wir es mit allen Informationen machen“. Der Nationale Widerstandsrat erklärte, seine „Enthüllungen zeigen einmal mehr, dass das Mullah-Regime keinerlei Absicht hat, sein Projekt der Herstellung einer Atomwaffe zu stoppen oder auch nur auszusetzen“. Der neue iranische Präsident Hassan Rohani habe eine entscheidende Rolle bei der Weiterführung des Projektes Kossar gespielt. Von ihm einen Wandel in der Atomfrage zu erhoffen, sei „ein fürchterlicher Fehler“.

Der Westen verdächtigt Teheran, insgeheim nach der Atombombe zu streben. Die iranische Regierung hat mehrfach betont, sie betreibe ein Atomprogramm mit rein zivilen Zielen. Wegen des Konfliktes haben die USA und die EU bereits zahlreiche Sanktionen gegen den Iran verhängt.