Internet

Wenn Rechenleistung wie Gold gehandelt wird

Zimory und die Deutsche Börse entwickeln Marktplatz für die Cloud

Die Deutsche Börse und das Berliner Software-Unternehmen Zimory planen einen Spot-Markt für Rechenleistung in der Internetcloud. Die neue Handelsplattform soll den Kauf und Verkauf von Cloud-Infrastruktur mit wenigen Mausklicks ermöglichen und im Februar 2014 an den Start gehen. Diese Vision beflügelt die Fantasie von Finanzinvestoren. Zimory hat nun 20 Millionen Dollar (15,6 Millionen Euro) erhalten, um seine Software weiterzuentwickeln und um international zu expandieren.

Unternehmen können mit Zimorys offener Schnittstelle „Cloud Brokerage Interface“ künftig Speicherplatz und Rechenleistung verkaufen und kaufen. Der neue Marktplatz ermöglicht es Unternehmen zum einen, Überkapazitäten in den eigenen Rechenzentren kostensparend zu vermieten. Zum anderen können sie im Bedarfsfall einige Einheiten (Performance Units) dazukaufen. Das sind Leistungskennzahlen (Benchmarks) sowie garantierte Speichermengen (RAM). Geplant sind ferner Cloud Broker. Das sind Zwischenhändler, die Cloud-Kapazitäten entsprechend den Kundenwünschen mit verschiedenen Vertragsarten (Service Level Agreements) anbieten. Kunden können für ihre sensiblen Daten über das Cloud Brokerage Interface demnächst beispielsweise einen Server buchen, der in Deutschland steht und nach hiesigem Datenschutzrecht betrieben wird.

Büros in Berlin und New York

Server werden zunächst nach Regionen klassifiziert (USA und EU). Später sollen sich Kunden Server in einzelnen Ländern und sogar Bundesländern – mit den dort geltenden spezifischen Datenschutzbestimmungen – buchen können, wie Rüdiger Baumann, Chief Executive Officer von Zimory, sagt. Zudem werden von Zimory und der Deutschen Börse gemeinsam Standards erarbeitet, damit die einzelnen Cloud-Angebote leichter zu vergleichen sind. Sie arbeiten dabei eng mit unabhängigen Web-Institutionen wie TM-Forum oder der Open Data Center Alliance zusammen. „Der Cloud-Markt ist momentan wenig transparent“, sagt Sophie Schendel. Sie ist bei Zimory für das Marketing zuständig. „Wir wollen die IT-Landschaft kompatibler machen und einen neutralen Marktplatz schaffen“, sagt Baumann.

Die von Zimory entwickelte Infrastruktur-Software – im Branchenjargon: IaaS (Infrastructure as a Service) – wird als technologische Grundlage für den Abwicklungsprozess der Deutschen Börse Cloud Exchange dienen, indem sie die Verbindung zwischen Käufer und Verkäufer physikalisch herstellt. Sie ist herstellerunabhängig und auf unterschiedliche Volumina anpassbar. „Dieser Marktplatz wird es uns ermöglichen, bestehende und neue Kundengruppen wie SaaS (Software-as-a-Service)-Anbieter mit weltweit standardisierten IaaS-Produkten zu beliefern“, erklärt Frank Strecker, bei T-Systems für Cloud-Technologie zuständig.

Zimory gab am Montag den Abschluss einer Finanzierungsrunde über 20 Millionen Dollar (15,6 Millionen Euro) unter der Führung der Deutschen Börse bekannt. Auch die früheren Investoren Creathor Venture, High-Tech-Gründerfonds, IBB Beteiligungsgesellschaft, KfW und T-Venture beteiligten sich an der Runde. „Die Finanzierung ermöglicht es uns, unsere Kapazitäten entsprechend der stark steigenden Nachfrage im Markt weiterzuentwickeln”, sagt Zimory-Chef Rüdiger Baumann. Christian Stein von Creathor Venture sagt: „Diese Finanzierungsrunde wird das Unternehmen in die Lage versetzen, sein Potenzial zu realisieren und international eines der führenden Unternehmen im Cloud-Bereich zu werden.“ Zimory wurde 2007 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Berlin. Das Unternehmen hat darüber hinaus eine Tochtergesellschaft mit Sitz in New York City.