Gedenken

Genscher hält in Budapest Trauerrede für Gyula Horn

Im Beisein hoher Politiker der EU und aus Deutschland sowie Tausender Anhänger ist Ungarns früherer Ministerpräsident Gyula Horn (1994–1998) am Montag in Budapest mit militärischen Ehren beigesetzt worden.

Der am 19. Juni gestorbene Politiker war als Außenminister zu Wendezeiten einer der wichtigsten Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung. Unter den Trauerrednern waren Deutschlands Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher sowie EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Der Ex-Kommunist und spätere Sozialist Horn habe sich „in der Stunde der Not als Freund erwiesen“, sagte Genscher mit Blick auf die damaligen DDR-Bürger, die durch Horns Vermittlung im Sommer 1989 über Ungarn in die Bundesrepublik reisen konnten. Martin Schulz würdigte Horn als „großen Mann der Europäischen Gemeinschaft“. Horn habe dabei geholfen, in Europa „die Trennung zu überwinden“. Mit Blick auf aktuelle Konflikte Ungarns mit der EU fügte Schulz hinzu: „Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob es nicht wieder an der Zeit ist, Trennungen zu überwinden.“

Mit der Durchtrennung des Stacheldrahts öffnete Horn seinerzeit den geschlossenen Eisernen Vorhang zwischen Ost- und Westeuropa. Während er im Ausland durch diesen Akt schlagartig berühmt wurde, blieb er vielen Ungarn in schlechter Erinnerung, da er während seiner Zeit an der Spitze einer Mitte-links-Regierung einen harten Sparkurs verfolgte. Ungarns heutiger Ministerpräsident Viktor Orbán wurde bei der Feier ausgebuht.