Demonstrationen

Gezi-Park in Istanbul wieder geöffnet

Symbol für die landesweiten Proteste in der Türkei

Gut drei Wochen nach der gewaltsamen Räumung durch die Polizei haben die Behörden den seitdem abgeriegelten Gezi-Park am Istanbuler Taksim-Platz wieder für das Volk geöffnet. Istanbuls Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu sagte bei der Eröffnung am Montag lokalen Medienberichten zufolge, illegale Versammlungen im Park würden allerdings nicht geduldet. Mit Blick auf das Protestbündnis Taksim Solidarität fügte er hinzu, der Park gehöre nicht einzelnen Gruppen, sondern allen Menschen in Istanbul.

Der Gezi-Park ist zum Symbol für die landesweiten Proteste in der Türkei geworden. Sie hatten sich an Regierungsplänen entzündet, eine der letzten Grünflächen im Stadtzentrum zu bebauen, und dauern seit Ende Mai an. Inzwischen richten sich die Proteste vor allem gegen den autoritären Regierungsstil von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Zuletzt war die Polizei in Istanbul am Sonnabend mit Wasserwerfern und Tränengas massiv gegen Tausende Demonstranten vorgegangen, die zum Gezi-Park gelangen wollten.

Krise schadet dem Tourismus

Das gewaltsame Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte gegen regierungskritische Demonstranten schadet dem Tourismus in dem Mittelmeerland. Bereits in der aktuellen Reisesaison hinterließen die Bilder von Demonstrationen und gewaltsamen Polizeiaktionen ihre Spuren, berichtet der Branchenverein Travel Industry Club (TIC) am Montag in Frankfurt. Bei einer Entscheider-Umfrage im Auftrag des TIC seien 82 Prozent der Befragten der Ansicht gewesen, dass die Reaktion des türkischen Staats dem Tourismus im Lande schade.

Rund zwei Drittel der 179 Reiseexperten erkannten zudem in der Türkei deutliche Tendenzen zur Islamisierung. Zunehmende Verschleierung der Frauen und verschärfte Alkoholvorschriften wirkten auf deutsche Urlauber eher abschreckend, meinten die Fachleute. Das werde zu einem Rückgang der Touristenzahlen führen.

Vor allem an den Badezielen der türkischen Riviera ist davon bislang aber noch nichts zu spüren, versichern die großen Reiseveranstalter. Branchenprimus TUI spürt bei der Nachfrage nach Badeurlauben bislang keine Zurückhaltung oder Verunsicherung der Kunden. Es gebe so gut wie keine Rückfragen, sagte eine TUI-Sprecherin. Die Buchungen für Istanbul liegen auf Vorjahresniveau. „Bei den Neubuchungen für die Stadt spüren wir aber eine gewisse Zurückhaltung. Wir gehen davon aus, dass Städtereisende die weitere Entwicklung abwarten“, sagte sie.

Auch beim deutsch-britischen Reisekonzern Thomas Cook hat es bisher keine Stornierungen gegeben, wie ein Sprecher in Oberursel bei Frankfurt versicherte. In den Badeorten sei von den Unruhen in den Städten nichts zu spüren, und die Touristen könnten ihren Urlaub ungestört verleben. Ausflüge ins weit entfernte Istanbul seien nicht üblich. Die Weltstadt am Bosporus werde eher als Zwischenstopp bei längeren Flugreisen besucht. „Das ist aber nicht unser Kerngeschäft.“