IOR

Geldwäsche bei der Vatikanbank

Ermittler erheben neue Vorwürfe gegen das skandalumwitterte Bankhaus

In Italien sind neue Details zu den brisanten Geldwäschevorwürfen gegen die skandalumwitterte Vatikanbank ans Licht gekommen: Zeitungsberichten zufolge haben Ermittler die Darstellung des offiziell als Istituto per le Opere di Religione (IOR) bezeichneten Geldhauses widerlegt, wonach alle Kontoinhaber Ordensgemeinschaften oder dem Klerus angehören. „Es gibt auch Privatpersonen, die wegen ihrer speziellen Beziehungen zum Heiligen Stuhl Geld anlegen und Konten eröffnen können“, zitierte die Samstagsausgabe des „Corriere della Sera“ aus einem Ermittlungsdokument.

Außerdem habe die Vatikanbank ihre Kunden den Erkenntnissen zufolge nicht ausreichend überprüft und Überweisungen großer Summen in fremdem Namen genehmigt, wodurch illegale Geschäfte erleichtert worden seien. Andere italienische Kreditinstitute wiederum müssten sich vorwerfen lassen, IOR-Überweisungen akzeptiert und an dritte Banken weitergeleitet zu haben, ohne die Herkunft des Geldes zu kontrollieren. „Die IOR kann ohne Weiteres zur Wäsche kriminell erworbenen Geldes dienen“, resümiert der zitierte Ermittlungsbericht.

Die Untersuchung drehte sich insbesondere um eine 23-Millionen-Euro-Überweisung der Vatikanbank vom September 2010 an das Kreditinstitut Credito Artigiano: Davon wurden 20 Millionen an das Geldhaus JP Morgan in Frankfurt und drei Millionen an die Banca del Fucino transferiert. Weil die Überweisung vom damaligen IOR-Direktor Paolo Cipriani und seinem Stellvertreter Massimo Tulli abgezeichnet wurden, bereitet die Staatsanwaltschaft nun eine Anklage vor. Laut der Zeitung „La Repubblica“ wird beiden zudem ein Dutzend dubioser Geldtransfers in kleinerem Maßstab an JP Morgan zur Last gelegt.

Cipriani und Tulli waren am Montag zurückgetreten. Medienberichten zufolge schieden sie jedoch nicht freiwillig aus ihren Ämtern. Der Rücktritt soll in Zusammenhang mit der Festnahme des hochrangigen Vatikan-Geistlichen Nunzio Scarano am vergangenen Freitag stehen. Scarano werden Korruption, Betrug und Verleumdung vorgeworfen. Medien berichteten, Cipriani und Tulli hätten von Scaranos Geschäften gewusst und ihm den Transfer von hohen Geldsummen über seine Vatikanbank-Konten ermöglicht.

Die Amtsgeschäfte von Paolo Cipriani und Massimo Tulli führt vorerst der Präsident der Vatikanbank, der Deutsche Ernst von Freyberg, der im Februar in den Vatikan berufen worden war, um die Bank zurück in seriösere Bahnen zu lenken. Das Kreditinstitut verwaltet mit mehr als 110 Mitarbeitern etwa 19.000 Konten und hat eine Bilanzsumme von fünf Milliarden Euro. Zuletzt wies es einen Nettogewinn von 86,6 Millionen Euro aus.