Familienpolitik

Chinesen müssen ihre alten Verwandten häufiger besuchen

Traditionell paukten chinesische Kinder von klein auf Elternliebe als ihre erste Pflicht: Sie lernten dazu Kinderreime und den konfuzianischen Kodex auswendig.

2500 Jahre später macht die Volksrepublik aus dem moralischen Imperativ eine juristische Forderung mit Strafandrohung: Seit 1. Juli zwingt ein neues Gesetz zum „Schutz der Rechte älterer Menschen“ deren Kinder und Enkel, sie „häufig“ zu besuchen und nach ihnen zu schauen. Wie oft „häufig“ ist und in welcher Weise sich die Jüngeren um die Älteren „kümmern“ sollen, steht jedoch nicht in dem öffentlich heftig umstrittenen Artikel 17. Er lässt auch die Höhe des Strafmaßes offen.

Den ersten Fall verhandelte am Montag ein Gericht im ostchinesischen Wuxi. Eine Frau wurde dazu verurteilt, ihre Mutter mindestens alle zwei Monate zu besuchen. Das Gericht ordnete zudem laut einem Bericht der Zeitung „Wuxi Daily“ an, dass die Tochter mindestens zwei der nationalen Ferien in China bei ihrer gehbehinderten 77-jährigen Mutter verbringen müsse. Bei Missachtung der Gerichtsentscheidung, die auch für den Mann der Tochter gilt, könnten Strafzahlungen angeordnet werden.

Das Paar hatte dem Bericht zufolge zugesichert, sich um die alte Frau zu kümmern, deren Name nur mit Chu angegeben wurde. Grund für das Gesetz sind die seit 30 Jahren gültige Ein-Kind-Politik und die überall verbreitete Kleinfamilie nach dem „4-2-1-Modell“, dem zufolge auf vier Großeltern ein Enkelkind kommt. Sie haben dem heutigen China ein gigantisches Überalterungsproblem beschert.