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Nur in der zweiten Reihe

Aber in der Gründerszene holen Frauen langsam auf

Und fordert nun andere Frauen auf, sich mehr auf ihre Karriere zu konzentrieren und eine größere Rolle in der Wirtschaft zu übernehmen. Denn in der Technologiebranche ist sie als Frau noch immer eine Ausnahme. Weiterhin sind es Männer, die häufiger Firmen gründen und in Führungspositionen arbeiten.

Laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wurden 2011 weniger als ein Drittel aller neuen Unternehmen von Frauen auf die Beine gestellt. Die Netzaktivistin und frühere Microsoft-Deutschland-Managerin Anke Domscheit-Berg hat dafür eine Begründung: „Generell wird Frauen weniger zugetraut, was zur Folge hat, dass sie sich selbst auch weniger zutrauen.“ Frauen, die es in eine Top-Führungsposition schafften, seien „wie Raucher, die 100 Jahre alt werden“.

Gerade in der technikaffinen Start-up-Welt trifft man selten Frauen an. Gern wird zur Erklärung die Kindheit und Ausbildung herangezogen. Der Frauenanteil im Informatik-Studium liegt dem Bundesamt für Statistik zufolge bei gut einem Fünftel, bei Studiengängen wie Maschinenbau oder Ingenieurwesen sogar noch darunter. Claudia Helming, Gründerin des Start-ups Dawanda, würde in der Förderung ganz früh ansetzen: „In der Grundschule entstehen die Berufsträume. Welches Mädchen sagt da schon, dass es später mal ein Unternehmen gründen will.“

Helming baute 2006 das Online-Portal Dawanda für selbst gemachte Produkte auf. Die 39-Jährige erinnert sich an die Anfangszeit und die Probleme, mit denen sie konfrontiert wurde: „Als wir ganz zu Beginn eine Finanzierung benötigten, war das sehr mühselig. Das Thema Handarbeit war in der männerdominierten Investorenbranche nicht sehr sexy. Viele dachten da wohl an die Spitzendeckchen ihrer Oma. Und dann saß ihnen bei den Finanzierungsgesprächen noch eine Frau gegenüber. Da wurde uns viel Skepsis und die ein oder andere spöttische Bemerkung entgegengebracht.“

Verantwortung übernehmen

Die Diskussion um eine Frauenquote spielt in der Start-up-Szene nur eine untergeordnete Rolle. Die 28-jährige Tanja Bogumil, die in diesem Jahr die Shopping-Beratung Kisura gründete, hält die Frauenquote bei jungen Unternehmen für nicht zielführend. Es gehe um die Realisierung einer Idee, unabhängig von Geschlechtern.

Viele Gründerinnen, die den meist recht steinigen Weg gegangen sind, sehen auch die Frauen in der Pflicht. Sie dürften sich nicht wegducken, wenn es darum ginge, Verantwortung zu übernehmen, betont Domscheit-Berg, die für ihre Bemühungen um die Gleichstellung in der Wirtschaft bereits den Berliner Frauenpreis erhalten hat. Studien wie der aktuelle KfW-Gründungsmonitor schreiben Frauen eine höhere Risikoaversion als Männern zu – und dies ist vor allem an der Spitze eines Unternehmens hinderlich. „Das Sicherheitsbedürfnis von Frauen ist häufig höher als von Männern. Existenzsorgen treiben uns in der Regel stärker um“, so Gründerin Bogumil.

Immerhin scheinen heute mehr Frauen bei der Gründung nach vorne zu preschen. Dies lässt sich auch belegen: Laut DIHK ist der Anteil von Frauen zumindest in der Gründungsberatung seit 2004 von 31 auf 41Prozent gestiegen. Der Bann sei gebrochen, meint daher Kisura-Gründerin Bogumil: „Die Stunde der Power-Frauen hat geschlagen.“ Vorbild sei neben der Facebook-Managerin Sandberg zum Beispiel auch Yahoo-Chefin Marissa Mayer.