Außenpolitik

Obama tief bewegt auf Robben Island

US-Präsident würdigt politischen Kampf Mandelas und kündigt neue Partnerschaft mit Afrika an

Tief bewegt hat sich US-Präsident Barack Obama am Sonntag beim Besuch der Gefängnisinsel Robben Island gezeigt, wo Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela 18 Jahre seines Lebens inhaftiert war. „Voller Demut“ stehe er an dem Platz, wo mutige Menschen „der Ungerechtigkeit die Stirn geboten und nicht aufgegeben haben“, schrieb Obama ins Gästebuch des heutigen Museums. „Die Welt ist dankbar für die Helden von Robben Island, die uns daran erinnern, dass weder Fesseln noch Zellen der Stärke des menschlichen Geistes gleichkommen.“

Der Anti-Apartheid-Kämpfer Mandela verbrachte 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis, davon 18 Jahre auf der Gefängnisinsel unweit von Kapstadt. Obama besichtigte mit seiner Frau Michelle und den beiden Töchtern zunächst den Steinbruch, in dem die Häftlinge schwerste Arbeit verrichten mussten, und anschließend die kleine Gefängniszelle, die originalgetreu nachgebaut wurde. Während seiner Haftzeit wurde bei Mandela Tuberkulose diagnostiziert – bis heute leidet er immer wieder an schweren Lungenproblemen.

Der US-Präsident nutzte den Besuch auch für eine kurze Geschichtsstunde für seine Töchter. „Was ihr vielleicht nicht wisst, ist, dass die Idee von politischer Gewaltlosigkeit hier in Südafrika ihre Wurzeln hat“, sagte er mit Bezug auf den indischen Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi, der in Südafrika Anwalt war. „Hier war er zuerst politisch aktiv.“

Zustand gilt weiter als kritisch

Während der südafrikanische Ex-Präsident weiter schwer krank in einer Klinik liegt, streitet sich seine Familie über eine Grabstätte. Mandelas Enkel, Mandla Mandela, kündigte am Sonntag an, gegen eine Gerichtsentscheidung vorzugehen, wonach die sterblichen Überreste der drei verstorbenen Kinder Nelson Mandelas an ihre ursprüngliche Stätte im Familiengrab im Dorf Qunu zurückgeführt werden müssen. Derzeit liegen die Verstorbenen in der nahe gelegenen Ortschaft Mvezo begraben, wie die Zeitung „Sunday Times“ berichtete.

Er sehe sich dazu gezwungen, Schritte gegen 16 andere Mitglieder der Familie einzuleiten, die den Fall vor Gericht gebracht hatten, erklärte Mandla Mandela. Mandela selbst wurde am Sonntag weiter in einer Klinik in der Hauptstadt Pretoria behandelt. Der Friedensnobelpreisträger war am 8. Juni wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Sein Gesundheitszustand war nach Angaben des südafrikanischen Präsidialamtes unverändert „kritisch, aber stabil“.

Am Sonntagabend kündigte Obama bei einer Rede an der Universität von Kapstadt eine neue Partnerschaft zwischen den USA und Afrika an. Die bisherige Hilfe und Unterstützung weiche zunehmend einer „Partnerschaft der Gleichen. Afrika befinde sich in einem „historischen Wandel“. Der Kontinent stehe in den Augen der Welt nicht mehr nur für Leiden und Konflikte, sondern für neue Chancen für Zusammenarbeit und Investitionen. Die Wirtschaft Afrikas entwickle sich beeindruckend stark, allerdings komme der Fortschritt nicht allen zugute. Manche Institutionen seien von Korruption infiziert.