Verfassung verschlechtert

Südafrika sorgt sich um Mandela

Das Land bangt um den Vater der Nation. Verfassung des 94-Jährigen hat sich verschlechtert. Präsident Zuma: „Sein Zustand ist kritisch“

Südafrikas schwer kranker Nationalheld Nelson Mandela ringt mit dem Tod. Mandelas Gesundheitszustand hatte sich am Wochenende deutlich verschlechtert. Sein Zustand sei „während der vergangenen 24 Stunden kritisch geworden“, teilte das südafrikanische Präsidialamt am Sonntagabend mit. Der 94 Jahre alte Mandela, der als Präsident des Landes sowie des Afrikanischen Nationalkongresses den friedlichen Umbruch von der Apartheid zur Demokratie anführte, wird seit mehr als zwei Wochen wegen einer schweren Lungenentzündung im Medi-Clinic-Heart-Krankenhaus von Pretoria behandelt. In der vergangene Woche war zunächst noch berichtet worden, dass Mandela auf die Behandlung seiner Lungenentzündung anspreche.

Der amtierende Präsident Jacob Zuma hatte Mandela am Sonntag im Krankenhaus besucht. Er berichtete, Mandela habe bereits geschlafen, als er ihn besucht habe. Anschließend habe er ein kurzes Gespräch mit den Ärzten und mit Mandelas Frau Graca Machel geführt. Zuma sagte, die Ärzte würden „alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um Madibas (Mandelas Clan-Name, d. Red.) Zustand zu verbessern und bestmögliche Pflege zu garantieren“. Es ist die dramatischste offizielle Stellungnahme während eines Krankenhausaufenthalts von Mandela, bislang war sein Zustand als „ernst, aber stabil“ bezeichnet worden.

Deutlicher noch wurde der Sprecher des Präsidialamtes, Mac Maharaj, der auch einer der engsten Freunde Mandelas ist. „Es ist wichtig, nicht an falschen Hoffnungen festzuhalten“, sagte er in der Nacht gegenüber dem englischen Fernsehsender BBC, „wir sind an einem Punkt, an dem wir Grund zur Sorge haben und die Realität akzeptieren müssen.“

Mandelas Frau verbringt seit Wochen den Großteil ihrer Zeit an seinem Bett, sie hat ein Zimmer in dem Krankenhaus bezogen. Am Sonntag eilten weitere Familienangehörige in das Krankenhaus, unter anderen Mandelas Ex-Frau Winnie, seine Tochter Makaziwe sowie seine Enkelin Ndileka.

Landesweit bangen Menschen unabhängig von der Farbe ihrer Haut für den Friedensnobelpreisträger. „Jeder hier betet seit Wochen für ihn“, sagte Ntando Jacobs, 62, aus dem Township Imizamo Yethu in Kapstadt, „wenn ich für ihn die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich das tun. Für mich ist er wie ein Gott, ein zweiter Jesus.“

Bilder der Versöhnung

Vor dem Krankenhaus in Pretoria liegen Blumensträuße und Karten mit Genesungswünschen. Auch international ist die Anteilnahme groß. Das Weiße Haus teilte am Sonntag mit, die Gedanken und Gebete von Barack Obama würden Mandela gelten. Der amerikanische Präsident wird am Freitag zu einem Staatsbesuch in Südafrika erwartet.

Präsident Zuma sagte, die schwere Krankheit des Nationalhelden werde den anstehenden Besuch von Obama nicht beeinflussen. Obama startet am Mittwoch eine Afrikareise, die ihn zunächst nach Senegal und dann am Freitag nach Südafrika und später Tansania führen wird. Über einen eventuellen Besuch Obamas am Krankenbett Mandelas müsse die Familie des 94-Jährigen entscheiden, betonte das Weiße Haus nach Angaben von südafrikanischen Medien.

Mandela war im Jahr 1990 nach 27 Jahren in Gefangenschaft freigekommen und 1994 zum ersten Präsidenten des demokratischen Südafrikas vereidigt worden. Er übergab das Amt nach einer fünfjährigen Amtszeit an Thabo Mbeki. Im Jahr 2004 zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück, seinen letzten Auftritt vor großem Publikum hatte er am 11. Juli 2010 vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft.

Weltweit genießt Mandela einen beinahe mythischen Status für seine friedliche Vermittlung zwischen den ethnischen Gruppen des tief gespaltenen Landes. Er selbst hatte seine Rolle stets relativiert: „Ich muss die falsche Wahrnehmung korrigieren, ein Individuum könne die Probleme des Landes lösen und Demokratie bringen“, sagte er einmal. Doch nur wenige Politiker weltweit haben ein vergleichbares Gespür für symbolische Gesten bewiesen wie Mandela. Am Montag jährt sich das Finale der bisher einzigen Rugby-Weltmeisterschaft in Südafrika zum 18. Mal. Rugby galt und gilt weiterhin als Sport der Weißen. Südafrika gewann 1995 das Turnier als Gastgeber, und Mandela übergab die Trophäe im grünen Trikot der Mannschaft gekleidet an den weißen Kapitän Francois Pienaar. Dieses Bild der Versöhnung ging um die Welt, es gab viele weitere.

Erkrankt an Tuberkulose

Mandela hatte seit Dezember des vergangenen Jahres drei Krankenhausaufenthalte überstanden, doch er war auch in seinem Haus in Houghton, Johannesburg, intensivmedizinisch behandelt worden. In der Nacht zum 8. Juni verschlechterte sich sein Zustand dramatisch, und er wurde erneut ins Krankenhaus eingeliefert. Er litt in der Vergangenheit immer wieder an schweren Atemwegsproblemen, weil er während der 27 Jahre, die er unter dem Apartheid-Regime im Gefängnis verbracht hatte, an Tuberkulose erkrankt war.

Am Wochenende hatte die Regierung bestätigt, dass sein Rettungsfahrzeug bei dem Krankentransport einen Motorschaden hatte. Es dauerte 40 Minuten, bis Mandela von einem Ersatzfahrzeug abgeholt wurde.

Präsident Zuma gab sich Mühe, den Vorfall herunterzuspielen. Die Ärzte hätten ihm versichert, dass während der Wartezeit „alle Pflegemöglichkeiten“ vorhanden gewesen seien. „Es waren sieben Ärzte in dem Konvoi, sie hatten die Situation zu jedem Zeitpunkt unter Kontrolle“, sagte Präsident Zuma. Die oppositionelle Demokratische Allianz forderte am Montag allerdings eine Untersuchung des Vorfalls, weil er „symptomatisch ist für den schlechten Zustand des militärischen Gesundheitsdienstes in Südafrika“.