Demonstration

Präsidentin Rousseff verspricht Brasilianern bessere Bildung

Nach Massenprotesten in rund 440 Städten hat die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff den Demonstranten einen „großen Pakt“ für ein besseres Brasilien versprochen.

Sie wolle das öffentliche Verkehrssystem ausbauen, mehr Öleinnahmen in die Bildung investieren und Ärzte aus dem Ausland anwerben, sagte Rousseff in einer TV-Ansprache. „Die Stimme der Straße muss gehört und respektiert werden und kann nicht verwechselt werden mit dem Krach und der Grausamkeit einiger Rabauken.“ Zuvor hatten die Proteste einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Die Botschaft der Straße sei friedlich und demokratisch, sagte Rousseff. „Sie fordert einen systematischen Kampf gegen die Korruption und die Veruntreuung öffentlicher Gelder. Alle kennen mich. Davon werde ich nicht ablassen.“ Sie werde dafür Gouverneure, Bürgermeister und Anführer der Demonstranten zusammenrufen.

Gleichzeitig warb Rousseff für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in ihrem Land. „Brasilien ist das einzige Land, das an allen Fußball-Weltmeisterschaften teilgenommen hat, wurde fünf Mal Weltmeister und wurde immer überall gut aufgenommen“, sagte sie. Brasilien müsse seine Gäste mit „Achtung, Warmherzigkeit und Freude“ empfangen. Sie werde nicht zulassen, dass die Ausgaben für das Turnier auf Kosten der Gesundheit oder der Bildung gingen.

Der Leiter des Brasilien-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung, Felix Dane, zeigte sich überzeugt, dass Rousseff die Demonstranten ernst nimmt. Sie reagiere auf die Forderungen „anders als (der türkische Regierungschef Recep Tayyip) Erdogan, der alles niederknüppeln lässt“, sagte er. Jetzt entlade sich lange angestauter Ärger über Korruption und Investitionsmangel.

Der Brasilien-Experte Dane relativierte das Ausmaß der Proteste. „Wenn in Rio de Janeiro 400.000 Menschen auf die Straße gehen und in São Paulo 200.000, ist das für die Größe der Städte eine relativ geringe Zahl.“ Allerdings sei es untypisch, dass sich die Proteste im ganzen Land ausbreiteten.