Obamas

Eine schrecklich nette Familie

Ob Staatsbesuch, Geschichtsstunde oder Einkaufstour: Viele Berliner sind begeistert vom Auftreten der vier Obamas

Am Ende waren es 26 Stunden und zehn Minuten. So lange dauerte der Aufenthalt von Familie Obama in Berlin. Ein straffes Programm absolvierte die First Family in dieser kurzen Zeit. Eine Mischung aus Staatsbesuch, Geschichtsunterricht und Shopping-Tour. Doch welchen Eindruck haben Barack, Michelle, Malia und Sasha Obama bei den Berlinern hinterlassen?

„Es war ein sehr emotionaler Besuch, der die Verbundenheit des Präsidenten und der amerikanischen Politik mit Berlin gezeigt hat“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Tag nach dem Ereignis. Für ihn ging von dem Besuch auch die politische Botschaft aus, dass Berlin ein Ort ist, an dem Unmögliches möglich werden kann. „Obama hat das auch auf Abrüstung, Umweltpolitik und Offenheit der Gesellschaften bezogen. Das war besonders wichtig.“

Zur Rede vor dem Brandenburger Tor waren 6000 ausgewählte Gäste eingeladen worden. Der Grund, warum sich Obama dort sein Jackett auszog, waren angeblich zwei ausgefallene Teleprompter, von denen der Präsident seine Rede ablesen wollte. Laut „BZ“ versuchte Obama mit seiner lässigen Geste, etwas Zeit für die Techniker zu gewinnen.

Aufgrund der begrenzten Gästezahl bei der Rede blieb die Begeisterung unter der Berliner Bevölkerung entweder außen vor der Absperrung oder aber in einem der vielen Staus stecken. Christian Lammert vom John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin bewertet das so: „Für die Öffentlichkeit wird von diesem Besuch weniger hängen bleiben als noch beim letzten Besuch 2008.“ Dies liege vor allem daran, dass Obama damals als Präsidentschaftskandidat Hoffnungen auf eine neue Zukunft geweckt habe. „Als Mensch wird Obama von der Bevölkerung immer noch geliebt, aber die Erwartungen an ihn als Präsidenten sind auf dem Boden der Realität angekommen“, so Lammert.

Die Berliner gingen mit gebotener Gelassenheit an den Staatsbesuch und ließen sich auch von einem einstündigen Verkehrskollaps nur vereinzelt aus der Ruhe bringen. Viele waren offenbar auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen. „Unsere Kunden hatten sich gut informiert – wir hatten kaum Beschwerden wegen Umleitungen und Absperrungen“, sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak.

Da Berlin sich seit Jahren bei Touristen aus aller Welt immer größerer Beliebtheit erfreut, sind vor allem die Berlin-Werber von Visit Berlin mit dem Besuch der Präsidenten-Familie zufrieden. „Die Bilder von Obama vor unserem Wahrzeichen Brandenburger Tor transportieren ein positives Bild in die Welt“, sagte Katharina Dreger, Sprecherin von Visit Berlin.

Besonders beobachtet wurde Obama auch von seinen Landsleuten, die hier in Berlin leben. Einer davon ist Justin Wilcox. Der Amerikaner studiert an der Humboldt-Universität im Rahmen des Transatlantic Masters Program und war einer der registrierten Gäste bei der Rede von Obama. „Meine Oma hat zu mir gesagt: Junge, jetzt musstest du so weit weggehen, um unseren Präsidenten zu sehen.“ Für Wilcox war der immense Aufwand um den Besuch etwas verwunderlich. „Als ich meiner Oma erzählt habe, ich hätte Obama und Angela Merkel gesehen, fragte sie mich: Angela who? In den USA wäre ein derartiger Aufwand für einen ausländischen Staatschef undenkbar“, erzählte er. Enttäuscht hat den US-Studenten, dass Obama zwar über das Thema Demokratie sprach, bei der Veranstaltung selbst aber nur geladene Gäste anwesend sein durften. Und Christian Lammert vom JFK-Institut fügte hinzu: „Ich habe gesehen, wie jemand ein Protestplakat ausrollen wollte. Sicherheitsleute wiesen ihn dann darauf hin, dass dies nicht der richtige Ort für Protest wäre“, berichtete Lammert. „Obama hält Protest aus. Er versucht eigentlich immer auch negative Stimmungen aufzugreifen.“

Diejenigen, die das Glück hatten, der Präsidentenfamilie näherzukommen, waren begeistert. „Für die Gedenkstätte war es ein einzigartiger Tag. Wir empfinden den Besuch von Michelle Obama und ihren Töchtern als enorme Auszeichnung“, sagte Axel Klausmeier, Direktor der Gedenkstätte Berliner Mauer. „Michelle war sehr von der friedlichen Revolution beeindruckt. Sie erkannte darin die Botschaft, dass auch das Unmögliche möglich gemacht werden kann.“

Lob von der First Lady gab es für Sternekoch Tim Raue. Er und 14 weitere Köche hatten ein regionales Menü gekocht. „Ich habe die First Lady als sehr reizend erlebt und mich über ihr Lob zum Essen sehr gefreut“, sagte Raue.