Sicherheit

Afghanische Kräfte übernehmen Kontrolle über das Land

Mit der landesweiten Übernahme der Sicherheitsverantwortung durch heimische Polizei- und Armeekräfte ist der geplante Nato-Abzug aus Afghanistan am Dienstag ein Stück näher gerückt.

„Unsere Sicherheits- und Verteidigungskräfte übernehmen nun die Führung“, verkündete Präsident Hamid Karsai bei einer Zeremonie in einer Militärakademie nahe Kabul. Fortan sollen die rund 100.000 Nato-Soldaten im Land nur noch eine unterstützende Rolle haben. Es bleiben jedoch Zweifel, ob die etwa 350.000 afghanischen Sicherheitskräfte der Lage vollauf gewachsen sind. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen begrüßte die Übernahme der Sicherheitsverantwortung.

Überschattet wurde die Übernahmezeremonie indes von einem Anschlag in der Hauptstadt, bei dem drei Zivilisten starben und mehr als 20 verletzt wurden. Der Angriff galt dem bekannten afghanischen Abgeordneten Mohammed Mohakik. Er blieb aber unverletzt und teilte mit, er sei bedroht worden.

„Wenn die Menschen sehen, dass die Sicherheit an Afghanen übergeben wurde, werden sie die Armee und die Polizei mehr unterstützen als zuvor“, sagte Karsai anlässlich der Zeremonie. Er äußerte zudem die Hoffnung, dass künftig im Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban weniger Zivilisten getötet würden. Die Luftwaffe dürfe nicht „in unseren Dörfern und bewohnten Gegenden“ eingesetzt werden, sagte Karsai. Der Nato-geführten Afghanistan-Truppe Isaf wird immer wieder vorgeworfen, bei Luftangriffen auf die Taliban afghanische Zivilisten zu töten. Mit Blick auf die Taliban sagte Karsai, eine Delegation des Hohen Friedensrats solle zu Gesprächen mit den Aufständischen nach Katar entsandt werden. Demnächst wollen die Taliban dort eine eigene Vertretung eröffnen. „Wir hoffen, dass die Eröffnung dieses Büros baldmöglichst Gespräche zwischen dem Friedensrat und den Taliban erlauben wird“, so Karsai.