Landespolitik

Schlussstrich unter Berlins Bankenabenteuer

Aufsichtsrat der Landesbank Berlin genehmigt Schrumpfkurs zur Sparkasse. 900 Arbeitsplätze werden dabei wohl wegfallen

Positiv betrachtet, ist es ja so: Nach Jahrzehnten auf Irrwegen durch die Welt des Geldes ist Berlins größte Bank nun wieder ganz bei sich selbst und ihren Wurzeln angekommen. Noch in diesem Jahr wird der Name Landesbank Berlin (LBB) auch auf dem Haus der Zentrale am Alexanderplatz verschwinden. Vorbei sind die Zeiten, als man Finanzkonzern sein wollte. Was übrig bleibt, worauf es nun wieder hinausläuft, gab es schon lange vor Landesbank oder Bankgesellschaft: das übersichtliche, regional begrenzte Kredit- und Geldanlagegeschäft der Berliner Sparkasse. Den Fahrplan für diesen Rückbau hat der Aufsichtsrat der LBB am Donnerstag beschlossen.

Allerdings werden bei dieser Rückkehr zu den Wurzeln gut 900 Stellen in den kommenden vier Jahren verloren gehen. Derzeit arbeiten noch rund 5700 Menschen für die LBB. Verschiedene Geschäftszweige – beispielsweise der Immobilienfinanzierer Berlin Hyp oder das Kapitalmarktgeschäft – werden herausgelöst. Übrig bleiben dann rund 4600 Menschen beim Sparkassenbetrieb – und das sind nach Ansicht des jetzigen LBB-Vorstandsvorsitzenden und bald nur noch Sparkassenchef Johann Evers zu viele. Bis 2017 sollen 900 Arbeitsplätze verschwinden, möglichst sozialverträglich, wie es heißt.

Anfang in den 90er-Jahren

Damit endet das Kapitel nationaler Bankenriese aus Berlin endgültig. Begonnen hatte es in den 90er-Jahren, als vor allem die Politik und Wirtschaft Ehrgeiz bis zum Größenwahn zeigte und so die Bankgesellschaft Berlin entstand. Zum Reich dieser Holding gehörten neben der LBB mit ihrer Sparkasse beispielsweise auch die Berliner Bank und der Immobilienfinanzierer Berlin Hyp. Die Bankgesellschaft zerbrach an Immobilienspekulationen. Der Skandal brachte den Senat des bislang letzten Regierenden Bürgermeister der CDU, Eberhard Diepgen, zu Fall. Die Bankgesellschaft wurde abgewickelt und zerschlagen. Der große Restposten namens LBB inklusive Berliner Sparkasse an die Sparkassenfinanzgruppe verkauft. „Wir wollen eine Sparkasse, die sich ganz auf Privat- und Firmenkunden, die gewerbliche regionale Immobilienfinanzierung sowie ausgewählte Sparkassen-Dienstleistungen konzentriert“, ließ LBB-Aufsichtsratschef Georg Fahrenschon nach der Sitzung des Kontrollgremiums per Mitteilung verbreiten. Das dürfte die Eigentümer der LBB, rund 423 Institute im Bund der Sparkassenfinanzgruppe, freuen. Im Jahr 2007 mussten sie fast fünf Milliarden Euro aufbringen, um die LBB erwerben zu können. Gerechnet hat sich der hohe Kaupreis nie.

Dafür war das Konstrukt LBB mit seinem Kapitalmarktgeschäft und umfangreicher Immobilienfinanzierung insgesamt zu risikoanfällig. Das Geschäft der LBB hatte sich in den vergangenen Jahren zwar trotz Finanzkrise recht robust entwickelt. Doch angesichts härterer gesetzlicher Vorschriften für Banken, musste etwas geschehen. In den nächsten Jahren müssen international tätige Geldhäuser ihre riskanten Geschäften mit sehr viel mehr Geld abpuffern als in der Vergangenheit. Allgemein ist das gemeint, wenn von einer höheren Kernkapitalquote die Rede ist. Diese Geldausgabe für die LBB scheuten die Eigentümer und so entstand der Zwang, das Institut auf seinen Sparkassen-Kern zurückzuschrumpfen. Der grundlegende Beschluss wurde im Dezember 2012 gefasst. Nun hat der Aufsichtsrat Zeitplan und Umsetzung genehmigt.

Das bedeutet aber schmerzhafte Einschnitte bei der Belegschaft. Legt man die aktuelle Zahl der Mitarbeiter – rund 5700 – zugrunde, dann soll bis 2017 etwa jeder sechste Arbeitsplatz verschwinden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen. Ziel der Belegschaftsvertreter ist es, eine betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Sprich: Die gut 900 Stellen sollen über Frühverrentung und freiwillige Aufhebungsverträge abgebaut werden. Eine solche Betriebsvereinbarung scheint realistisch. Die Bank selbst steht dem aufgeschlossen gegenüber, heißt es. Schon in diesem Jahr soll der Name „Landesbank Berlin“ von der Zentrale am Alexanderplatz verschwinden. Zudem könnte in den kommenden Jahren die Zahl der Verwaltungsstandorte innerhalb der Stadt verringert werden.