Konflikt

Erdogan nennt Demonstranten „Vandalen“

Türkischer Regierungschef gibt sich unnachgiebig

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan setzt im Konflikt mit den Gegnern seiner Regierung weiter unnachgiebig auf Konfrontation: Am Sonntag bezeichnete der Regierungschef die seit mehr als einer Woche protestierenden Demonstranten als „Vandalen“ und „Anarchisten“. Landesweit gingen wieder mehrere tausend Menschen in der Türkei auf die Straßen. Erdogan rief seine Anhänger bei einem Besuch in der südlichen Stadt Adana auf, den Demonstranten bei den Kommunalwahlen im März 2014 eine „Lektion“ zu erteilen. „Ich will, dass Ihr diesen Leuten auf demokratischem Weg eine erste Lektion an den Urnen erteilt“, sagte er.

In Istanbul, Ankara, Adana und Izmir protestierten am Samstag erneut zehntausende Menschen bis tief in die Nacht. In Istanbul versammelten sich seit dem frühen Morgen Demonstranten mit Lebensmitteln und Decken auf dem Taksim-Platz, dem Zentrum der Proteste. Dort wächst seit Tagen eine Zeltstadt. Erdogans Aufforderung vom Freitag, die Proteste sofort zu beenden, verhallten ungehört. In Ankara ging die Polizei erneut gewaltsam gegen rund 5000 Demonstranten vor. Die Sicherheitskräfte setzten dabei Tränengas und Wasserwerfer ein. Hunderte Polizisten trieben die Menge auf dem zentralen Kizilay-Platz auseinander, nachdem diese den Verkehr blockiert hatte. Mehrere Menschen wurden nach Fernsehberichten verletzt.

Die Protestwelle in der Türkei hatte am Freitag vergangener Woche nach einer gewaltsamen Polizeiaktion gegen Demonstranten begonnen, die ein Bauprojekt im Istanbuler Gezi-Park verhindern wollten. Seitdem weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus und wandten sich zunehmend gegen Erdogan, dem Demonstranten einen autoritären Regierungsstil vorwerfen. Der türkischen Ärztevereinigung zufolge wurden bei den Protesten drei Menschen getötet und fast 4800 weitere verletzt.