Prozess

Überbringer der NSU-Mordwaffe hatte keine Skrupel

Der im NSU-Prozess als Bote der mutmaßlichen Mordwaffe angeklagte Carsten S. hat diese ohne Bedenken an die mutmaßlichen Täter übergeben.

„Anscheinend“ habe er damals keine Bedenken gehabt und heute wolle er nicht so tun, als ob er sie gehabt hätte, sagte S. vor dem Oberlandesgericht München. S. ist einer der vier mutmaßlichen NSU-Helfer, die sich im Prozess verantworten müssen.

Hauptangeklagte ist Beate Zschäpe. Sie soll gemeinsam mit den verstorbenen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt für zehn Morde und fünfzehn Raubüberfälle verantwortlich sein. S. ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, weil er die Česká-Pistole geliefert haben soll, mit der der NSU neun Migranten getötet haben soll. Die Übergabe der Waffe gestand er bereits am Dienstag. Dass der NSU sie als Mordwaffe benutzen wollte, will er weder gewusst noch geahnt haben.

Der nach Auffassung der Ermittler glaubwürdig bereits vor einigen Jahren aus der rechten Szene ausgestiegene S. machte viele Erinnerungslücken geltend. Er war zur Zeit der Waffenübergabe 19 Jahre alt und änderte sein Leben bald danach radikal. So zog er nach Westdeutschland und outete sich als homosexuell.