SPD

Sechs für Peer Steinbrück

Der SPD-Kanzlerkandidat beruft weitere Mitglieder in sein Kompetenzteam

Noch bevor Peer Steinbrück das Wort ergreift, gibt Florian Pronold am Montagmittag den Ton an. Der Kanzlerkandidat und die drei neuen Mitglieder seines sogenannten Kompetenzteams posieren im Willy-Brandt-Haus für die Fotografen. Dann werden die vier gebeten, etwas zur Seite zu rücken. „Wenn wir uns nach links schieben sollen, dann machen wir das“, sagt Pronold. Steinbrück schweigt dazu.

Als er dann das Wort ergreift, um Pronold, Manuela Schwesig und Brigitte Zypries vorzustellen, gibt sich Steinbrück knapp und kühl. Fast schon geschäftsmäßig geht es zu. „Mindestens zwei der drei Parteifreunde sind für Sie keine Überraschung“, sagt Steinbrück trocken. Mit der Berufung des stellvertretenden Fraktionschefs Pronold und von Parteivize Schwesig „war zu rechnen“.

Ein wenig ernüchtert klingt das, und nach den sehr hohen Erwartungen, die Steinbrück an sein Team geweckt hatte, ist das allzu verständlich. Klein werde seine Mannschaft sein, und ohne jeden Proporz werde sie auskommen, hatte der Kandidat einst verkündet: „Ost, West, Nord, Süd, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern, Mann, Frau, alt, jung, links, rechts, oben, unten. Das geht nicht.“ Wenigstens just jene Anforderungen hat Steinbrück mit seinem nun sechsköpfigen Team abgedeckt.

Steinbrücks Ernüchterung dürfte darauf beruhen, dass ihm womöglich mehrere Wunschkandidaten einen Korb gegeben haben. Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) etwa ließ ihn wissen, sie wolle nicht nach Berlin. „Mit ihrer kommunalpolitischen Erfahrung wäre sie eine Bereicherung für das Auftreten der SPD auf Bundesebene“, sagte Steinbrück der „Bild“-Zeitung und fügte hinzu: „Aber Frau Ludwig hat sich für Chemnitz entschieden. Schlecht für mich, gut für Chemnitz!“

Nun also Pronold (der immerhin 20 seiner 40 Lebensjahre dem bayerischen SPD-Vorstand angehört), Schwesig (einst „entdeckt“ von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier – für dessen Wahlkampf-Team, über das Steinbrück so gern spottet) und Zypries (die bereits von 1991 bis 2009 in verschiedensten Funktionen regiert hat). Pronold soll die Themen Wohnen und Verkehr verantworten. Frauen, Familie, Demografie und Aufbau Ost listet Steinbrück als Themen für Schwesig auf; die Zuständigkeit für „Inklusion“ besitzt sie auch noch. Die frühere Justizministerin Zypries soll sich um Verbraucher kümmern.

Der Themen-Zuschnitt seines Teams sei nicht als „in Stein gemeißelte Ressortgrenzen“ in einem von ihm geleiteten Kabinett zu verstehen, sagt Steinbrück. Während er spricht, entfernt sich Brigitte Zypries, ihr iPhone in der Hand, kurz vom Rednerpult. Sie reicht es einem Fotografen und bittet ihn um ein Foto. Von ihr und ihren beiden Teamkollegen. Kurz darauf postet Zypries das Bild via Facebook. Peer Steinbrück fehlt allerdings darauf.