Wahlen

Früherer Präsident siegt mit Muslim-Liga in Pakistan

Bei der historischen Parlamentswahl in Pakistan hat die Mitte-rechts-Partei des früheren Premiers Nawaz Sharif Medienberichten zufolge einen klaren Sieg errungen.

Sharifs Pakistanische Muslimliga (PML-N) erhielt gut 115 der insgesamt 272 Sitze, wie private TV-Sender am Sonntag berichteten. Die Partei des ehemaligen Cricketstars Imran Khan, der die hohe Wahlbeteiligung von 60 Prozent lobte, landete demnach auf dem zweiten Rang.

Sharif, der als wirtschaftsnah und sachbezogen gilt, hatte sich nach Schließung der Wahllokale zum Sieger erklärt und an die anderen Parteien appelliert, „die Probleme des Landes gemeinsam zu lösen“. Khans Pakistanische Gerechtigkeitsbewegung (PTI) erhielt den Berichten zufolge mehr als 30 Mandate, auf dem dritten Rang folgte die bislang regierende Volkspartei (PPP), die angesichts ihrer mäßigen Regierungsbilanz eine Niederlage einstecken musste.

Mit der Wahl wird zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit Pakistans im Jahr 1947 eine Regierung nach dem Ende ihrer Amtszeit auf demokratischem Wege abgelöst. Die Abstimmung wurde jedoch von Anschlägen und Drohungen überschattet, allein am Wahltag wurden landesweit mindestens 24 Menschen getötet. Trotzdem wurde die höchste Wahlbeteiligung seit dem Jahr 1977 erreicht. Der Wahlandrang zeige, dass „die Drohungen der Extremisten“ keine Wirkung entfaltet hätten, sagte der CDU-Europaabgeordnete und Wahlbeobachter Michael Gahler. Ihm zufolge muss das neue Parlament nun binnen 60 Tagen zusammentreten, bevor – abhängig von Koalitionsvereinbarungen – ein neuer Regierungschef gewählt werden kann.

Sharif war bereits zweimal, 1990 bis 1993 und 1997 bis zum Militärputsch 1999, Regierungschef. Im Westen gilt der 63-Jährige als Pragmatiker. Die US-Militärstrategie gegen das Terrornetzwerk al-Qaida stellte er öffentlich infrage, außerdem rief er zu Friedensgesprächen mit den pakistanischen Taliban auf.

Der Ausgang der Wahl wird weltweit mit Spannung verfolgt, da der Atommacht Pakistan eine wichtige strategische Rolle im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zufällt. Der 179-Millionen-Einwohner-Staat grenzt an die Krisenherde Iran und Afghanistan sowie an die beiden Nuklearmächte China und Indien.