Steuern

„Mehr als großer Mist“

Schäuble kritisiert Hoeneß scharf und legt Steuerabkommen mit der Schweiz ad acta

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß wegen dessen Umgang mit der Steueraffäre kritisiert. Hoeneß habe „mehr als großen Mist gebaut“ und könne sich nicht über den Umgang der Medien mit ihm beklagen, sagte der Minister der Zeitung „Bild am Sonntag“. „Steuerhinterziehung ist ein strafwürdiges Unrecht“, betonte Schäuble. Hoeneß hatte im Januar mit einer Selbstanzeige Steuerhinterziehung über ein Schweizer Konto eingestanden. Nach Medienberichten soll er 3,2 Millionen Euro Steuern nachgezahlt haben. In Interviews hatte er von „Riesenmist“ gesprochen, zugleich aber erklärt, er sei kein schlechter Mensch.

Schäuble sagte, als jemand, der gesellschaftlich eine herausgehobene Rolle spiele und von dem es heiße, er engagiere sich stark sozial, müsse Hoeneß mehr Kritik ertragen als andere. „Und darüber kann sich Uli Hoeneß kaum beklagen.“ Schließlich kenne er selbst die Gesetze der Medien und habe sich in der Vergangenheit nicht durch große Zurückhaltung in der Öffentlichkeit ausgezeichnet. Zudem sagte Schäuble, dass er keine Chance sehe, das von der Opposition verhinderte Steuerabkommen mit der Schweiz neu zu verhandeln. „Als Rechtsstaat kann und wird die Schweiz nicht rückwirkend Gesetze ändern oder das Steuergeheimnis abschaffen“, sagte Schäuble. Mögliche Vereinbarungen zum Informationsaustausch könnten sich daher nur noch auf die Zukunft beziehen. Er verwies darauf, dass SPD und Grüne das geplante Abkommen im Bundesrat scheitern ließen. „Für die Vergangenheit wäre das Abkommen der einzige Weg gewesen“, sagte der CDU-Politiker. „Aber das ist vorbei.“ Den Steuerzahlern seien damit Milliarden verloren gegangen.

Hoeneß’ Anwälte wollen Deal

In Anspielung auf Hoeneß sagte Schäuble, er lasse mit Blick auf reiche Steuerhinterzieher prüfen, „ob wir verfassungsrechtlich den Spielraum haben, ab einer bestimmten Größenordnung der Steuerhinterziehung Strafbefreiung auszuschließen“. Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ streben die Anwälte von Hoeneß offenbar einen Deal mit der Staatsanwaltschaft an. Angeblich soll der Bayern-Präsident bereit sein, eine Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie die Zahlung einer hohen Strafe zu akzeptieren. Weder die Anwälte noch die Staatsanwaltschaft wollten dies der Zeitung bestätigen.

Das Magazin „Spiegel“ berichtet indes ohne Angaben von Quellen, die großen Sponsoren von Bayern München seien sich einig, dass Hoeneß nach dem Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund am 25. Mai sein Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen lassen solle. Die Chefs der Konzerne Adidas, Audi, Volkswagen und der Deutschen Telekom seien von der Forderung nach einem schnellen Rücktritt abgekommen. Am Montag kommt der Aufsichtsrat des Clubs in München zusammen. Ursprünglich hätten die Chefs der vier Konzerne einen noch früheren Rückzug angestrebt, diesen dann aber wegen des Einzug ins Champions-League-Finale und einer ungeahnten Sympathiewelle für Hoeneß verworfen, heißt es in dem Bericht. Demnach fürchteten die Unternehmen, sich sonst den Zorn der Fans zuzuziehen.

Laut „Spiegel“ wollen die Bayern-Aufsichtsräte Hoeneß den schwierigen Schritt aber schmackhaft machen, indem sie ihm die Tür für eine Rückkehr womöglich offen halten. Voraussetzung dafür: Sollte die Staatsanwaltschaft seine Selbstanzeige anerkennen und die Affäre mit der Nachzahlung der Steuern samt Zuschlag zu den Akten legen, soll Hoeneß das Amt danach wieder übernehmen können.