Gewalt

„Das ist eine schmerzliche, bittere Nachricht“

Bei Kundus wurde der erste deutsche KSK-Soldat getötet. Fünf Amerikaner sterben bei Anschlag

Bei einem Angriff von Aufständischen im Norden Afghanistans ist ein Bundeswehrsoldat getötet worden. Das Einsatzführungskommando informierte den Verteidigungsausschuss des Bundestages am Sonntag über den Tod des Soldaten. Zuletzt war vor fast zwei Jahren – am 2. Juni 2011 – ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan gefallen. Der Soldat gehörte der Elitetruppe Kommando Spezialkräfte(KSK) an. „Es ist der erste KSK-Soldat, der in Afghanistan gefallen ist“, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière(CDU) in Berlin. Er zeigte sich erschüttert über den Tod des Soldaten. „Das ist eine schmerzliche, bittere Nachricht. Sie erschüttert uns alle“, sagte er. „Ich bin unendlich traurig.“

Deutsche Spezialkräfte hätten am Sonnabend eine afghanische Operation nördlich des Außenpostens OP North in der Provinz Baghlan unterstützt, heißt es in der Information für die Abgeordneten. Als Aufständische die Soldaten beschossen hätten, sei Luftunterstützung angefordert worden. Bei der anschließenden Untersuchung der Schäden durch den Luftschlag seien die Soldaten erneut beschossen worden. „Dabei wurde ein deutscher Soldat getötet und ein deutscher Soldat verwundet.“ Der Verwundete sei in ärztlicher Behandlung.

Es ist der 53. Bundeswehrsoldat, der seit 2002 im Afghanistan-Einsatz ums Leben gekommen ist – und der erste deutsche Gefallene seit 23 Monaten. Zuletzt starb am 2. Juni 2011 ein 23 Jahre alter Oberstabsgefreiter, als in der Provinz Baghlan ein Schützenpanzer Marder durch eine 200-Kilo-Sprengfalle zerstört wurde.

Ebenfalls am Sonnabend wurden in Afghanistan sieben US-Soldaten getötet. Fünf davon starben bei einem Sprengstoffanschlag im Süden des Landes. Im Westen erschoss ein afghanischer Soldat zwei amerikanische Kameraden. Der Sonnabend war damit der verlustreichste Tag für die Internationale Schutztruppe (Isaf) seit Jahresbeginn.

Im Vergleich zur kritischen Phase 2007 bis 2011 ist die Isaf-Mission für die Bundeswehr in den vergangenen beiden Jahren relativ ruhig verlaufen. Anfang 2012 war sogar von einer Trendwende die Rede, zum ersten Mal seit 2006 war im gesamten Jahr kein Deutscher gefallen. Je mehr Provinzen in die eigenständige Verantwortung der afghanischen Sicherheitskräfte übergingen, desto mehr Opfer gab es allerdings auf deren Seite.

2013 verlief zunächst ebenfalls unblutig für die Bundeswehr. Bis am 21. Februar ein deutscher Soldat, vermutlich Angehöriger des Spezialkräfte-Kommandos, bei einem Gefecht zwischen afghanischen Polizisten und Taliban-Kämpfern bei Kundus verletzt worden war. In Bundeswehrkreisen hieß es zu der Zeit bereits, die positive Trendwende aus dem Jahr 2011 werde sich in Afghanistan eher nicht fortsetzen, die Sicherheitslage würde voraussichtlich nicht deutlich besser werden.

Die Bundeswehr hat derzeit rund 4200 Soldaten im Rahmen der Isaf in Afghanistan stationiert. Das Bundestagsmandat für diesen Einsatz läuft bis 28. Februar 2014, bis dahin sollen weitere 1100 Soldaten abgezogen werden. Nach der Aufgabe des zivil-militärischen Feldlagers in Faisabad arbeiten die Deutschen derzeit daran, den Außenposten OP North abzubauen. Bis Herbst wollen sie auch das Camp in Kundus verlassen. Danach sollen deutsche Soldaten nur noch im zentralen Lager in Masar-i-Scharif und im Isaf-Hauptquartier in Kabul arbeiten.