Religion

Deutsche sollen sich mehr mit Islam beschäftigen

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Politiker und Kirchenvertreter beklagen „verzerrtes Bild“

Die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, attestiert den Deutschen Unkenntnis in Bezug auf den Islam. Damit reagiert er auf eine neue internationale Studie, nach der jeder zweite Deutsche Angst vor dem Islam hat: „Die Studie nährt den Eindruck, dass viele Menschen in Deutschland ein verzerrtes Bild vom Islam in unserem Land haben“, sagte Schneider.

Laut „Religionsmonitor“ der Bertelsmann Stiftung hält jeder zweite Deutsche den Islam für eine Bedrohung. Ebenso viele Deutsche sind demnach davon überzeugt, dass der Islam nicht nach Deutschland passt. Dieser Ansicht sind allerdings auch 18 Prozent der Muslime hierzulande. Die Zweifel an der Vereinbarkeit von Islam und westlicher Welt sind im Osten stärker ausgeprägt als im Westen (57 zu 49 Prozent). Zugleich sehen 19 Prozent der Deutschen im Judentum eine Bedrohung.

„Viele scheinen unsere muslimischen Bürgerinnen und Bürger mit Phänomenen des muslimischen Extremismus aus anderen Weltgegenden oder mit der kleinen Minderheit der Salafisten und ihrer Sympathisanten zu identifizieren und nehmen sie dafür in Mithaftung“, glaubt Schneider. Dagegen helfe nur beharrliche Überzeugungsarbeit: „Werbung für Differenzierung und natürlich Ermutigung für die Muslime in Deutschland, die in der übergroßen Mehrheit friedlich unter uns leben!“

Für die Studie hatten Demoskopen Ende 2012 rund 14.000 Menschen in 13 Ländern zu ihrer persönlichen Religiosität, ihren Wertehaltungen und dem Verhältnis von Religion, Politik und Gesellschaft befragt. Demnach wird der Islam auch international als eine Bedrohung wahrgenommen. So schätzten ihn 76 Prozent der Israelis, 60 Prozent der Spanier, 50 Prozent der Schweizer und 42 Prozent der US-Amerikaner als gefährlich ein.

Die Integrationsministerin von Baden-Württemberg, Bilkay Öney (SPD), sagte: „Wir brauchen mehr Aufklärung über den Islam. Auch junge Muslime selbst sind manchmal schlecht über den Islam informiert. Ethikunterricht oder Projekte zur Toleranzerziehung an den Schulen können einen wichtigen Beitrag leisten.“ Öney sieht auch die Muslime selbst in der Verantwortung, etwas für wechselseitige Toleranz zu tun: „Die Muslime selbst könnten häufiger auf ihre nicht muslimischen Nachbarn zugehen und diese etwa zu muslimischen Festen einladen. Wir brauchen mehr Aufgeschlossenheit auf beiden Seiten.“

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach ermahnte die Politik hingegen, gegenüber den Bürgern „differenzierter zu argumentieren“: „Wir müssen die Sorgen ernst nehmen und dürfen das Problem des Islamismus nicht relativieren.“ Bosbach geht von rund 40.000 Personen aus, die islamistisch orientiert seien. Besonders gefährlich seien darunter die etwa 6000 Salafisten. Ihnen müsse entschlossen begegnet werden. „Es ist mit der Demokratie nicht vereinbar zu verlangen, dass sich der Staat der religiösen Überzeugung unterwirft“, sagte Bosbach.