Parteien

Keine gute Woche

Eigentlich will Horst Seehofer sich feiern lassen. Doch dann geht es nur um politischen Filz

In einer unvorhergesehenen Krise setzt die CSU eine neue Messlatte politischer Reaktionsgeschwindigkeit: Auf einen Rücktritt folgt nicht einmal 24 Stunden später die Wahl der strahlenden Nachfolgerin. Selbstbedienungsvorwürfe gegen 17 CSU-Landtagsabgeordnete und ein vermurkstes Krisenmanagement hatten am Donnerstag zum Sturz von Landtagsfraktionschef Georg Schmid geführt. Kaum etwas erregt die Bürger so sehr wie der Verdacht von Abzocke und politischem Filz. Um weiteren Schaden zu verhindern, musste Parteichef Horst Seehofer eine rasante Notoperation einleiten. „Wir sind in einer ernsten Situation – es hätte überhaupt keinen Sinn, daran vorbeizureden“, sagte er nach Wahl von Christa Stewens zur Fraktionschefin.

Schmid und seine 16 Kollegen hatten Ehefrauen und andere Familienmitglieder auf Steuerzahlerkosten als Bürohilfen angestellt. Das war rechtlich bislang erlaubt, ist aber politisch ein gewaltiges Problem. Wäre Schmid im Amt geblieben, hätte sich die CSU dem Vorwurf ausgesetzt, Abzocker in ihren Reihen zu dulden. In den vergangenen Tagen musste die CSU nicht nur unfreundliche Medienkommentare erdulden, sondern auch viele empörte Reaktionen ganz gewöhnlicher Bürger.

Die Sondersitzung war eiligst einberufen worden. Das Manöver gelingt. Mit 98,5 Prozent gewählt wird die frühere Sozialministerin Christa Stewens – 67 Jahre alt, sechsfache Mutter und Rekordgroßmutter: Das 23.Enkelkind wird im August erwartet.

„Keine gute Woche für uns“, sagt ein CSU-Vorstandsmitglied, das nicht dem Landtag angehört. Doch der Schaden sei überschaubar, weil Seehofer durchgegriffen habe. Eigentlich aber wollte sich die CSU-Spitze an diesem Wochenende bei einer Vorstandsklausur im oberbayerischen Kloster Andechs ausschließlich selbst bejubeln. Nächstes Wochenende soll Ministerpräsident Seehofer in einer Krönungsmesse als Spitzenkandidat für die Landtagswahl nominiert werden. Knapp fünf Jahre lang hat Seehofer sich mit allen Kräften bemüht, jeden Filz- und Amigo-Verdacht von der Partei fernzuhalten. Ebenso lang tut er alles, um die Partei wieder in Richtung absoluter Mehrheit zu führen – ein Traum, der mit dem jüngsten Umfragewert von 48,9 Prozent zum Greifen nah scheint. Stewens geht im Herbst in den Ruhestand.

Doch bis dahin muss sie das Selbstbedienungsproblem lösen. Unter Druck ist nun vor allem der Finanzpolitiker Georg Winter, der 2000 seine damals 13 und 14 Jahre alten Söhne als Hilfskräfte zur Pflege seines Computers anheuerte. Und es betrieben auch drei Kabinettsmitglieder die spezielle Familienfürsorge.

Nach der Stewens-Wahl kommt Seehofer doch noch pünktlich in Kloster Andechs an. „Ich muss jetzt zum Abt gehen und erst einmal beichten“, sagt er nach seinem Eintreffen. „Das könnte länger dauern“, antwortet der Abt. Der Parteichef muss nun schnellstmöglich demonstrieren, dass die CSU insgesamt keine Hallodri-Partei ist.