Prüfstand

Berlin-Marathon: Polizei prüft Sicherheitskonzept

Jürgen Lock vom Hauptstadt-Veranstalter war nur 150 Meter von den Explosionen entfernt

Die Veranstalter des Berlin-Marathons haben mit Entsetzen auf die Explosionen in Boston reagiert und eine Überprüfung des eigenen Sicherheitskonzepts angekündigt. „Wir stehen in ständigem Austausch mit den anderen Organisatoren und werden alles für die Sicherheit tun. Wir müssen das genau hinterfragen, aber 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagte Organisationschef Jürgen Lock bei Sky Sport News HD. Lock war zum Zeitpunkt der Explosionen in Boston: „So etwas Schreckliches ist schwer zu beschreiben.“

Lock erlebte den Anschlag so: „25 Minuten vor der ersten Detonation bin ich vom Zielbereich in Richtung Media-Center gegangen.“ Dort habe er die erste Explosion gehört „und gleich registriert, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Luftlinie ist das Media-Center etwa 150 Meter vom Zielbereich entfernt.“ Dort habe er dann die Livebilder auf den Bildschirmen gesehen. Berlin gehört mit Boston, London, Chicago, New York und Tokio zu den World Marathon Majors (WMM), den wichtigsten Marathonläufen der Welt. Am 29. September wird in Berlin die 40. Auflage stattfinden. Der Lauf ist die größte Eintagessportveranstaltung in Deutschland. 40.000 Läufer haben sich bereits angemeldet, der Marathon ist damit ausgebucht.

Berlins Renndirektor Mark Milde schloss vorschnelle Konsequenzen zum jetzigen Zeitpunkt aus. „Dazu kann ich jetzt noch nicht viel sagen, wir müssen erst mal die genauen Hintergründe kennen. Ich habe am Dienstagmorgen schon mit der Polizei telefoniert, die das genauso sieht“, sagte Milde der Berliner Morgenpost: „Natürlich werden wir die Lage aufmerksam verfolgen und eng mit den Behörden zusammenarbeiten und in Abstimmung mit ihnen Notfallpläne entwickeln. In diesem Jahr wird das Thema Sicherheit bestimmt noch präsenter sein, als es das vorher sowieso schon war“, so Milde. „Wenn es jemand darauf anlegt, ist so eine Veranstaltung nicht hundertprozentig abzusichern.“ Natürlich könne man die Polizeipräsenz erhöhen. „Aber welcher Attentäter lässt sich davon abschrecken?“

Der Polizeisprecher in Berlin bezeichnete das bisherige Konzept als „bewährt“. „Wir warten auf weitere Informationen zu den Anschlägen, um sie zu bewerten und wenn nötig Konsequenzen zu ziehen“, sagte Polizeipressesprecher Stefan Redlich. In der Hauptstadt liegen die Sicherheitsvorkehrungen demnach generell auf einem hohen Niveau. Für Gespräche mit dem Berlin-Marathon-Veranstalter sei man allerdings offen. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), bezeichnete die Anschläge als eine „menschenverachtende Tat von Kriminellen“. „Der feige Anschlag auf eine völlig arglose Ansammlung von Menschen bei einer Sportveranstaltung ist ein schrecklicher Akt des Terrors“, sagte Wowereit.

Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach den Opfern und deren Angehörigen sein Mitgefühl aus. „Die Meldungen aus Boston lassen uns hier in Berlin tief bestürzt und geschockt zurück“, sagte Henkel. „Aus einem friedlichen Sportereignis wurde ein schwarzer Tag. Die furchtbaren Bilder führen uns erneut vor Augen, wie verwundbar unsere offenen Gesellschaften sind.“ Zu möglichen Konsequenzen für das Berliner Sicherheitskonzept für Großveranstaltungen wollte Henkel sich zunächst nicht äußern.