Gewalt

Gummigeschosse gegen Gefangene

Streit im US-Lager Guantánamo eskaliert. 43 Häftlinge befinden sich im Hungerstreik

Ein seit Wochen schwelender Streit zwischen Häftlingen des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay auf Kuba und der Lagerleitung ist in Gewalt eskaliert. Wärter setzten Gummigeschosse gegen Häftlinge ein, die sich gegen eine Verlegung aus einer Gruppenunterkunft in Einzelzellen wehrten. Auf beiden Seiten habe es leichte Verletzungen gegeben, zitierte der Sender CNN einen Militärsprecher in Guantánamo Bay. Dort werden zurzeit noch 166 Terrorverdächtige festgehalten, viele von ihnen schon seit 2002, als das Lager eingerichtet wurde.

US-Präsident Barack Obama hatte nach seinem Amtsantritt 2009 eine Schließung des Gefangenenlagers binnen eines Jahres angekündigt, war aber am massiven Widerstand im Kongress gegen eine Verlegung der Gefangenen auf US-Boden gescheitert. Sprecher Jay Carney betonte kürzlich, dass Obama weiterhin das Lager dichtmachen wolle. Derzeit gibt es allerdings keine Anzeichen für Bemühungen in diese Richtung.

Im Februar hatte im Lager eine Welle von Hungerstreiks begonnen. Auslöser waren nach Gefangenenangaben „unangemessene“ Korandurchsuchungen in den Zellen. Nach amerikanischen Angaben verweigern zurzeit 43 Häftlinge die Nahrungsaufnahme und werden zum Teil zwangsernährt. Anwälten von Gefangenen zufolge ist die Zahl der Hungerstreikenden weitaus höher. Die zumeist ohne jede Anklage festgehaltenen Männer würden immer verzweifelter.

Laut „Washington Post“ gab der Sprecher der US-Lagerverwaltung, Robert Durand, als Grund für die Verlegung in Einzelzellen an, dass die Gefangenen Überwachungskameras und Fenster der Gemeinschaftsunterkunft verhüllt hätten. Damit sei für die Wärter die Überwachung erschwert und das Risiko für die Gesundheit und Sicherheit der Häftlinge im sogenannten Camp VI „unannehmbar hoch“ geworden. Gefangene hätten sich unter anderem mit den Stielen von Besen und Mops gegen die Verlegung gewehrt, zitierte das Blatt Durand weiter. Die Gefangenen könnten in den Einzelzellen ihren Hungerstreik fortsetzen, aber zumindest sei gewährleistet, dass medizinisches Personal ihren Zustand überprüfen könne. Durand räumte den Angaben zufolge aber auch ein, dass die Gefangenen verlegt worden seien, um eine Ausweitung des Hungerstreiks zu verhindern. In Camp VI war der Großteil der Gefangenen untergebracht. Sie konnten dort den Tag miteinander verbringen und beispielsweise gemeinsam fernsehen. Die Nacht verbrachten sie in offenen Zellen.