Wahlkampf

FDP will Organisation für Belange von Migranten gründen

Rund 20 Prozent der in Deutschland lebenden Bürger haben einen Migrationshintergrund. Mehr als die Hälfte von ihnen sind deutsche Staatsbürger. Wenn es folglich um Wahlen geht, wird diese Bevölkerungsgruppe stetig relevanter. Die FDP hat sich deshalb entschlossen, weiter zu gehen, als es die Konkurrenz bisher getan hat. Die Liberalen wollen eine parteinahe Organisation für die Belange von Migranten gründen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll die Organisation am Rande des FDP-Bundesparteitags Anfang Mai in Nürnberg aus der Taufe gehoben werden.

Man habe sich noch nicht für einen Namen der Organisation entschieden, sagte Serkan Tören, integrationspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Laut Tören ist man bei diesem Punkt noch in Gesprächen. Als ein Vorschlag sei „Liberale Migranten“ genannt worden, wobei dieser Name sehr auf klassische Einwanderer ziele, gestand der Integrationspolitiker ein. Er sagte: „Wer hier mit Migrationshintergrund geboren wurde, ist kein wirklicher Migrant.“ Ausdrücklich sollen auch die Nachfahren der früh Zugewanderten angesprochen werden.

Um der Organisation beizutreten, brauche man nicht Mitglied der FDP zu sein, betonte Tören. „Jeder mit liberaler Geisteshaltung ist uns willkommen.“ Es gebe großes Interesse in den FDP-Landesverbänden, auch auf Landesebene jeweils Vorfeldorganisationen für Menschen mit Migrationshintergrund zu gründen, so der FDP-Politiker.

Nachholbedarf der FDP

Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben Serkan Tören auch die Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai und Johannes Vogel. Der neue Verein soll keine reine Migrantenorganisation sein, sondern Menschen mit und ohne Migrationshintergrund miteinander vernetzen. Auch mit der Liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung soll die neue Organisation sehr eng zusammenarbeiten.

Der Personenkreis, den die Gruppe ansprechen will, ist laut Tören längst in der Gesellschaft integriert. „Arbeiter, Selbstständige und Akademiker mit Migrationshintergrund sind unsere Zielgruppe.“ Die meisten Einwanderer seien nach Deutschland gekommen, um frei zu sein und für ihren gesellschaftlichen Aufstieg zu arbeiten. Daher entspreche das Gesellschaftsmodell des Liberalismus ihren Lebensentwürfen. Die Liberalen, das räumt auch ihr integrationspolitischer Sprecher ein, müssen bei dieser Wählerklientel die Werbetrommel für sich rühren. „Bislang tendieren diese Menschen oft zu SPD und Grünen. Wir Liberale haben hier Nachholbedarf und werden Überzeugungsarbeit leisten“, kündigte er an.

In der Tat ist die SPD noch immer die beliebteste Partei bei Bürgern mit Migrationshintergrund. Eine der jüngeren Untersuchungen ergab, dass 55 Prozent der Deutsch-Türken der SPD nahestehen. Die Grünen kommen auf gut 23 Prozent, CDU und FDP erreichen zusammen nur elf Prozent. Die FDP-Führung hofft auf neue Impulse durch die Gründung der Organisation. Es geht aber auch um eine Imagepolitur. Generalsekretär Patrick Döring machte noch einmal deutlich, dass die FDP für eine tolerante, vielfältige und offene Gesellschaft stehe. „Wir machen uns für diejenigen stark, die sich anstrengen und etwas leisten, unabhängig von ihrer Herkunft“, sagte Döring.