Protest

„Auch mir ist Nacktheit nicht angenehm“

Alexandra Shevchenko kämpft mit Femen für die Rechte von Frauen weltweit

Sie hat Putin ihre Brüste gezeigt. „Fuck Dictator“. Schwarze Farbe auf der nackten Haut. Es seien gute Tage gewesen, sagt Alexandra Shevchenko. Als eine der drei ukrainischen Femen-Gründerinnen ist sie seit wenigen Wochen das Gesicht der Organisation in Deutschland. Ein schönes Gesicht, umrahmt von einer blonden Löwenmähne, zart, weiblich, ernst, die Faltenfreiheit einer 24-Jährigen. Das ist das Problem. Schön gucken und lachen ist verboten – zumindest, wenn protestiert wird.

Die Frauen oben ohne nennen sich Femen. Die Slogans auf ihrer Webseite heißen „Titslamism“ und „Fickt die Sexindustrie!“ Das Sextremismus-„x“ ist ein Hakenkreuz. Nach der Ukraine und Frankreich rufen sie nun auch in Deutschland zum Widerstand auf – gegen Sexismus, gegen Prostitution, für die Rechte von Frauen und Homosexuellen in aller Welt. Zwei Trainingscamps wollen sie eröffnen – eins in Hamburg, eins in Berlin.

Beine auseinander, Arme nach oben, Ellenbogen durchstrecken – die Pose des angriffsbereiten Tiers. Das Poster müsse immer über dem Kopf bleiben – egal was passiert. Selbst wenn sie ihnen ihre Poster wegnehmen, bleiben ihnen noch immer ihre Körper. Und das Gesicht: Auf den Bildern hört man das Schreien nachher nicht. Aber man kann es sehen. „Das klingt einfach, aber wenn du umringt von Fotografen nackt auf der Straße stehst, bist du zunächst verwirrt und vergisst das.“ Der zweite Teil des Trainings: Selbstverteidigung, physische Fitness, Sport. Alexandra spannt die Oberarme unter der Strickjacke an. Sie wollen dem Patriarchat auch wortwörtlich aufs Dach steigen. „Frauen sind von Natur aus eher weich, zart. Wir müssen erst lernen, uns zu wehren.“ Nach den Protesten werten sie die Bilder aus. Sie wollen keinen Fehler zweimal machen. Emotionen wie Scham und Angst sind Fehler. „Damit kannst du die ganze Aktion ruinieren. Die Menschen werden die Bilder nicht verstehen.“ Jede Bewegung muss sitzen. Wie ziehst du dich wieder richtig an, wenn die Aktion zu Ende ist? Was machst du, wenn die Polizisten dich festhalten? Wie zeigst du dann noch, dass du selbstbewusst bist, dass du stolz auf das bist, was du tust? Privat sei sie ein höflicher Mensch. „Auch mir ist Nacktheit nicht angenehm, aber wir müssen provozieren.“ Sie weiß, dass das in den Augen der Deutschen brutal ist. Das soll es auch sein.