Krise

Nordkorea zieht 50.000 Arbeiter aus dem Süden ab

Internationale Sorge vor neuem Atomtest wächst

Nordkorea hat am Montag seine Provokationen fortgesetzt und den Abzug aller Arbeiter aus der Sonderwirtschaftszone Kaesong angekündigt. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA warf Südkorea vor, es habe Kaesong in den Schauplatz einer Konfrontation verwandelt und wolle daraus „die Brutstätte eines Krieges“ gegen den Norden machen. Die Sonderwirtschaftszone Kaesong ist die einzige direkte Verbindung zwischen den beiden koreanischen Staaten. In dem Gebiet nahe der Grenze fertigen Nordkoreaner Haushaltsgüter für südkoreanische Firmen. 50.000 Arbeiter aus dem Norden haben dort einen Job.

In Hannover riefen Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Nordkorea zur Mäßigung auf. „Wir waren uns sehr einig, dass die internationale Staatengemeinschaft beruhigend einwirken, aber auch deutlich machen muss, dass Nordkorea die Provokationen einstellt“, sagte Merkel. Putin warnte vor den Folgen eines Konflikts auf der Koreanischen Halbinsel, gegen die die Kraftwerkskatastrophe von Tschernobyl ein Kindermärchen wäre.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon warnte Nordkorea vor einer erneuten Provokation der Weltgemeinschaft. Ein weiterer Atomtest wäre eine Verletzung von UN-Resolutionen, sagte er. Nordkorea könne „so nicht weitermachen, indem es die Autorität des Sicherheitsrats und der gesamten internationalen Gemeinschaft herausfordert“.

Angesichts der täglich zunehmenden Spannungen schließen politische Beobachter eine weitere, spektakuläre Provokation Nordkoreas nicht aus. Experten rechnen wieder mit einem Atom- oder Raketentest. Nordkoreas wichtigster Verbündeter China warnte die Führung in Pjöngjang in ungewohnt scharfer Form vor einer weiteren Eskalation. Chinas Präsident Xi Jinping sagte, keinem Land dürfe erlaubt werden, eine Region oder gar die ganze Welt aus selbstsüchtigen Motiven ins Chaos zu stürzen. Noch in dieser Woche wird US-Außenminister John Kerry zu Gesprächen in Seoul erwartet. Am kommenden Montag finden in Nordkorea die Gedenkfeiern zum Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung statt.

Eric J. Ballbach, Nordkorea-Forscher an der Freien Universität Berlin, sieht hinter den Drohungen aus Nordkorea vor allem ein Ziel: den Machterhalt im eigenen Land. „Der internationale Druck ist von Nordkorea durchaus gewünscht. Eines der wirksamsten Mittel, um internen Zusammenhalt zu stärken, ist die Existenz eines externen Feindes. Jede neue Führung in Nordkorea braucht eine große außenpolitische Krise.“