Soziale Berufe

„Extrem schwierige und belastende Arbeit“

DGB und SPD verlangen eine bessere Bezahlung von Tätigkeiten im sozialen Bereich

Vor wenigen Tagen meldete der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) enorme Probleme in der Gesundheitswirtschaft, Arbeitskräfte zu finden. In den Gesundheits- und sozialen Diensten vermeldeten 55Prozent der Betriebe grundsätzliche Probleme, Stellen zu besetzen.

Die Studie legte zudem offen, dass die Situation sich noch dramatisieren wird. Die nicht zuletzt demografisch bedingt wachsende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen aufgrund einer wachsenden Zahl älterer Bürger und einer schrumpfenden Fachkräftebasis werde diese Entwicklung künftig tendenziell noch weiter verschärfen, so das Urteil des Reports. Derzeit fehlen deutschlandweit rund 30.000 Fachkräfte in der Pflege. Der demografische Wandel könnte dazu führen, dass das Land 2030 mit 200.000 fehlenden Stellen zu kämpfen hat. Die Politik müht sich seit Längerem, die Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen attraktiver machen. Allein, die Mittel sind begrenzt. Nach Ansicht von SPD und Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) ist und bleibt die Vergütung das entscheidende Vehikel zum Erfolg. Partei und Gewerkschafter verlangen mit Nachdruck erhebliche Lohnsteigerungen in sozialen Berufen.

Die Arbeit in Pflegeberufen, die Arbeit mit psychisch Kranken oder die Arbeit von Erziehern sei extrem schwierig und auch belastend, sagte DGB-Chef Michael Sommer. Diese Form von Arbeit habe eine bessere Bezahlung verdient. „Menschliche Arbeit hat ihre Würde und ihren Wert – das betrifft insbesondere auch soziale Berufe.“ Sommer geht davon aus, dass soziale Berufe deshalb schlechter bezahlt werden, „weil sie offenbar für unterwertig gehalten werden“. Genauso wie die körperlich belastende Arbeit eines Industriearbeiters ihren Wert habe, habe auch die Arbeit einer Kindergärtnerin ihren Wert, mahnt der DGB-Chef. „Wir müssen in den Sozialberufen aus der Mentalität ‚Geiz ist geil‘ herauskommen“, fordert er. Wer bei Altenpflegern geize, schaffe für die Alten eine unmenschliche Gesellschaft. „Wir werden immer weniger Menschen haben, die diese schwere Arbeit aufnehmen“, so die Befürchtung Sommers. Man könne diese Arbeit über Bezahlung attraktiv machen – aber sie brauche auch gesellschaftliche Anerkennung.

Die Lohngerechtigkeit für soziale Berufe ist eines der Themen, die den DGB-Chef seit seinem Amtsantritt vor elf Jahren umtreiben – ebenso wie den Vorsitzenden der Sozialdemokraten, Sigmar Gabriel. Er mahnt jetzt ein gesellschaftliches Umdenken an: „Der Anstand einer Gesellschaft bemisst sich daran, wie sie mit Kindern und mit Alten umgeht“, sagt er. Es gebe in Deutschland eine sehr ungerechte Bezahlung von sozialen und erzieherischen Berufen. „Wenn Sie eine Tonne Stahl bewegen, verdienen Sie mehr, als wenn Sie sechs oder 60 Kilo Mensch in der Kinderkrippe oder im Altenheim bewegen.“ Und während man als Kfz-Mechaniker eine Ausbildungsvergütung bekomme, müsse man in der Altenpflege oft noch Schulgeld zahlen.