Krise

Zypern schränkt die Rechte seiner Bankkunden ein

Abfluss von Kapital soll verhindert werden. Strenge Grenzen für Überweisungen ins Ausland

Zypern will die Rechte von Vermögensbesitzern auf der Insel drastisch einschränken, um den Abfluss von Kapital nach Öffnung seiner Banken zu verhindern. Die Regierung in Nikosia plant daher in einem Erlass eine weitgehende Einschränkung der Kapitalverkehrsfreiheit. Innerhalb der Europäischen Union (EU) ist das neu.

Der Entwurf für den Erlass sieht vor, dass Finanztransfers ins Ausland vorerst streng begrenzt bleiben, heißt es in dem Papier. Doch nicht nur das. Auflagen gibt es künftig wohl auch beim Verkauf von Immobilien und der Abwicklung von Exportgeschäften. Angeblich basieren die Pläne auf Vorschlägen der Zentralbank Zyperns. Die hatte am Mittwochmittag die Chefs der Banken einbestellt, um sie über die Pläne für die Öffnung der Banken zu informieren. Die Geldhäuser sollen möglicherweise heute nach Tagen der Schließung wieder geöffnet werden.

Grund für diese Beschränkungen ist der Rettungsplan, den Zypern mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), EU und Europäischer Zentralbank (EZB) vereinbart hat. Dieser sieht vor, dass das größte Geldhaus, die Laiki Bank, abgewickelt wird. Die dafür anfallenden Kosten werden zunächst einmal von allen Spareinlagen über 100.000 Euro gedeckt. Kleinere Konten gehen an die Bank of Cyprus, die restrukturiert werden soll.

Aber auch bei der Bank von Cyprus werden die Besitzer von Vermögen über 100.000 Euro zur Kasse gebeten. Teile ihrer Spareinlagen werden in Eigenkapital der Bank umgewandelt, um diese zu rekapitalisieren. Zyperns Präsident geht davon aus, dass die Besitzer dieser Vermögen damit 40 Prozent ihrer Gelder einbüßen werden. Außerhalb Zyperns hält man das für eine zu optimistische Zahl und geht eher davon aus, dass die Hälfte verloren ist.

Angesichts dieser Aussichten sieht man innerhalb der Euro-Zone mit Sorgen der Wiederöffnung der Banken entgegen. Bei den Verantwortlichen der Euro-Zone herrscht große Angst, dass es zu einem Ansturm der Kunden auf die Geldhäuser kommen könnte. Substanzielle Vermögensabflüsse müsste dann die Europäische Zentralbank auffüllen. Nach den aufsehenerregenden Verhandlungswochen könnte ein Run auf mehrere Banken in Zypern auch in anderen Krisenländern der Euro-Zone für Unruhe sorgen, so die Befürchtung.

Ausländische Geschäftsleute mit Geld in Zypern überlegen dem Vernehmen nach, ihr Geld von der Insel abzuziehen. „Was jetzt noch da ist, bringe ich so schnell wie möglich weg“, sagte ein Betroffener. Auch Unternehmen würden sich jetzt den Rückzug aus Zypern überlegen. Einige hätten in den vergangenen Wochen nicht einmal mehr ausreichend Geld auf der Insel bekommen, um ihre Mitarbeiter zu bezahlen. Deshalb hätten manche das Bargeld aus Dubai geholt, damit die Arbeit überhaupt weitergeht.

Bei den Ratingagenturen sorgt das Vorgehen der Europäer für harte Kritik. Die Ratingagentur Fitch drohte nach der Einigung auf das Rettungspaket mit einer baldigen erneuten Herabstufung der zyprischen Kreditwürdigkeit. Das bisherige Rating „B“ werde wegen des angeschlagenen Bankensektors unter verschärfte Beobachtung (Rating Watch Negativ) gestellt, teilte die Ratingagentur mit. Das Vorgehen bei der Rettung Zyperns sei stümperhaft gewesen, sagte Moody’s-Experte Bart Oosterveld. Die jetzt gewählte Strategie wirke sich auch negativ auf die anderen Mitglieder der Währungsunion aus, zumal der Beitrag der Sparer zur Sanierung der Banken als gefährlicher Präzedenzfall aufgefasst werden könnte.