Konflikt

Rebellen nehmen Zentrum von Damaskus ins Visier

Sicherheitszone unter Beschuss. Syrischer Oppositionsführer bei Bombenanschlag verletzt

Syrische Rebellen haben am Montag das Zentrum von Damaskus mit Dutzenden Granaten beschossen. Einige davon seien in einer Hochsicherheitszone nur rund einen Kilometer von der Residenz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad eingeschlagen, berichteten Anwohner und Angehörige der Sicherheitskräfte. Der staatliche Rundfunk meldete Dutzende Opfer in der Nähe der Oper direkt gegenüber der Zentrale der Baath-Partei Assads und dem Geheimdienst der Luftwaffe. Das syrische Militär reagierte mit Artillerie-Beschuss. Die Kämpfe im Zentrum der Hauptstadt gehörten zu den schwersten seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor zwei Jahren.

Aus Oppositionskreisen verlautete unterdessen, dass der Gründer der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) bei einem Mordanschlag im Osten Syriens schwer verletzt worden sei. Riad al-Asaad habe ein Bein verloren. Seine Verletzungen seien nicht lebensgefährlich, hieß es ergänzend in türkischen Regierungskreisen. Er werde in einem Krankenhaus in der Türkei behandelt. Syrische Oppositionelle berichteten, ein Sprengsatz sei in seinem Auto detoniert, als er durch die Ortschaft al-Majadien in der Provinz Deir as-Saur fuhr.

Der Oberst hatte 2011 zu den ersten Offizieren gehört, die sich auf die Seite der Regimegegner schlugen. Er gründete die FSA, in der eine Reihe von Rebellengruppen für den Sturz Assads kämpfen. Zeitweise war er als Befehlshaber der Deserteure in einem Lager in der Türkei im Einsatz. Von der im vergangenen Jahr neu formierten Führung der FSA, die auch vom Westen unterstützt wird, wurde Asaad jedoch ausgeschlossen.

Frankreich hat die syrische Opposition zur Einigung aufgerufen. „Wir wollen, dass die Opposition...reformorientiert bleibt, und wir sind absolut nicht damit einverstanden, dass sie Richtung Extremismus abgleitet“, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius am Montag dem Radiosender Europe 1. Mit seinem Aufruf reagierte Fabius auf den Rücktritt von Ahmed Moas al-Chatib, der die Syrische Nationale Koalition leitete. In einer umstrittenen Wahl war am vergangenen Dienstag der Islamist und langjährige US-Manager Ghassan Hittos zum Interimsregierungschef für die von den Rebellen in Syrien kontrollierten Gebiete bestimmt worden. Al-Chatib galt als Gegner der Nominierung Hittos’.

„Wenn man vermeiden will, dass Syrien auseinanderbricht und dass am Ende die Extremisten die Oberhand gewinnen, dann braucht es eine politische Lösung“, sagte Außenminister Fabius weiter. Dafür sei es nötig, auf militärischem Gebiet die Kräfte neu auszubalancieren. Frankreich will Waffen an die syrischen Rebellen liefern.

Die Mitglieder der oppositionellen Nationalen Syrischen Koalition stehen unter Schock, nachdem ihr Vorsitzender Moas al-Chatib seinen Rücktritt erklärt hatte. Wie am Montag aus Oppositionskreisen verlautete, baten sie al-Chatib, an diesem Dienstag noch eine Rede beim Gipfel der Arabischen Liga zu halten.

Damit wollen sie verhindern, dass die Opposition ihren Anspruch auf den Sitz Syriens bei der Liga wieder verliert. Denn die Organisation hatte dies davon abhängig gemacht, ob die Opposition eine Regierung bildet, die von der Mehrheit der Regimegegner anerkannt wird. Bislang hat die Koalition allerdings nur einen Übergangsregierungschef gewählt. Al-Chatib willigte ein, zu dem Gipfel nach Katar zu reisen, das die Rebellen unterstützt.