Russland

Kreml nutzt Tod des Oligarchen Beresowski zur Abrechnung

Ein Leben voller Intrigen breitet die russische Hauptstadtpresse nach dem Tod des Kreml-Gegners Boris Abramowitsch Beresowski (BAB) aus.

„BAB – das letzte Geheimnis“, titelte die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ zu den offenen Fragen, wie der Feind von Kreml-Chef Wladimir Putin genau starb. Der Kreml und die Staatsmedien in Russland nutzen den rätselhaften Tod auf ihre Weise – als Lehrstück dafür, wie „Verräter“ Russlands enden.

In Großbritannien, wo Beresowskis Leiche am Sonnabend unweit von London gefunden worden war, geriet die Welt der reichen Russen samt der spektakulären Todesfälle einmal mehr ins Scheinwerferlicht. Die Leiche Beresowskis ist am Montag einer gerichtsmedizinischen Untersuchung unterzogen worden. Ergebnisse standen zunächst jedoch noch nicht fest, teilte die Thames Valley Police mit. Die Untersuchungen im Haus des Toten in Ascot sollen noch mehrere Tage andauern, sagte Chief Inspector Kevin Brown. Nach wie vor gebe es keine Hinweise auf ein Verbrechen.

Großes Gesprächsthema in Moskau war ein „persönlicher Brief“ Beresowskis an Putin. Darin soll der einst beim Kreml in Ungnade gefallene Oligarch Fehler eingeräumt und Putin um Gnade und die Chance auf eine Rückkehr nach Moskau gebeten haben. Der Streit darum, ob es dieses späte Eingeständnis einer Niederlage tatsächlich gibt, schlug hohe Wellen. Der Kreml beteuert die Echtheit des Briefes.

Endlich könnten viele Einflussreiche in der Welt ruhiger schlafen, meinte die Boulevardzeitung „Moskowski Komsomolez“ („MK“). Ein „Dämon der russischen Geschichte“, ein „Symbol der wilden 90er-Jahre“ sei gestorben, hieß es in Kommentaren. „Ein lehrreiches Beispiel für diejenigen, die meinen, dass sie die ganze Welt um sich drehen lassen können“, ätzte die Kreml-nahe Boulevardzeitung „Komsomolskaja Prawda“. Das Blatt brachte den Toten erneut in Verbindung mit schweren Wirtschaftsverbrechen, Kontakten zur Unterwelt und Auftragsmorden.

An die mögliche Version eines Selbstmordes mochten viele weder in London noch Moskau glauben – zu groß sei die Kampfeslust des Mannes gewesen, der sich von Leibwächtern schützen ließ. Auch wenn die Polizei offiziell keinen Anlass für Spekulationen über ein Verbrechen sieht, wollten Vertraute Beresowskis das weiter nicht ausschließen.