SPD

Die Gerd-Show zwischen Agenda und Irak

Altkanzler Schröder besucht erstmals seit seiner Abwahl 2005 die SPD-Fraktion

Er zeigt sich wie früher. Federnd und flott ist sein Gang. Demonstrativ strahlt er. Wie einst als Bundeskanzler zieht Gerhard Schröder am Dienstagnachmittag über die Flure des Reichstagsgebäudes. Als er um 14.17Uhr den Fraktionssaal der Sozialdemokraten betritt, applaudieren die Abgeordneten höflich. Es dauert aber eine ganze Weile, bis sich die Parlamentarier nach und nach ein wenig schwerfällig erheben.

Nein, demonstrativ und stürmisch ist der Beifall nicht, den der Altbundeskanzler bei seinem ersten Besuch in der SPD-Fraktion seit seiner Abwahl vor gut sieben Jahren erfährt. Schröder trägt eine staatsmännisch dunkelblaue Krawatte zum Haifischkragen und bleckt seine Zähne.

Eingeladen wurde Schröder, um an sein Nein zum Irakkrieg zu erinnern. Das zeigt wieder einmal: Mit den Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010, im März 2003 verkündet und im In- und Ausland gelobt, tut sich die SPD noch immer schwer. Erst allmählich schleicht sich die Überzeugung ein, Schröder habe zur richtigen Zeit das Richtige getan.

Viel ausführlicher als geplant, eineinhalb Stunden lang, diskutiert Schröder mit den Abgeordneten. Er sei Pensionär, ruft Schröder den Abgeordneten zu, daher habe er genug Zeit, und alle Fragen seien erlaubt. Natürlich geht es um den Irakkrieg, und der Altkanzler stellt fest, in der Politik solle man sich niemals auf höhere Mächte berufen. Es handelt sich um eine indirekte Kritik am damaligen US-Präsidenten George W. Bush, der seine Intervention im Irak mit einem Zwiegespräch mit Gott erklärt hatte.

Schröder bietet an, auch über die Agenda zu reden, berichten Teilnehmer anschließend. Den mangelnden Reformeifer seiner Nachfolgerin kleidet er fast in Reinform. Er beschreibt Angela Merkels Politik mit den Worten: „Die Zeit zu handeln jedes Mal verpassen, stattdessen die Dinge sich entwickeln lassen.“

Wie wenig der 68-jährige Schröder seine Lust am Spott verloren hat, das zeigt er am Nachmittag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Proppenvoll ist der Presseraum der SPD-Fraktion, so viele Journalisten waren schon lange nicht mehr hier. „Der eine oder andere von euch ist älter geworden“, begrüßt Schröder die Reporter. „Schön“ sei es in der Fraktion gewesen, sagt der Altkanzler, und er freue sich, wie die SPD die Agenda inzwischen schätze.