Handel

Grüne provozieren mit Vorstoß für Plastiktütensteuer

Die Grünen stoßen mit ihrer Forderung zur Einführung einer Steuer von 22 Cent pro Plastiktüte auf Kritik.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) wandte sich vehement gegen das Vorhaben. Es gebe keinen Bedarf für eine derartige Regelung, erklärte der Verband am Wochenende. Schon heute seien die Deutschen sehr sparsam im Umgang mit Plastiktüten. Auch würden die Tragetaschen zumeist aus Recyclingmaterial hergestellt und über die Gelbe Tonne wiederverwertet. Eine solche Tütensteuer koste die Verbraucher 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.

Nach den Worten der Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament, Rebecca Harms, und der Bundestagsabgeordneten Dorothea Steiner soll Deutschland Vorreiter für die von der EU geplanten Maßnahmen zur Verringerung des Plastikmülls sein. Die Verwendung erdölbasierter Kunststoffe müsse dringend eingeschränkt werden, sagte Steiner der „Bild“-Zeitung. „Mit einer Abgabe von 22 Cent pro Plastiktüte könnte die Erforschung biologisch abbaubarer Kunststoffe finanziert werden. Deutschland könnte eine solche Abgabe sehr schnell einführen und Vorreiter in Europa sein. Harms ergänzte: „Einweg-Plastiktüten, die zu Tausenden im Meer landen, bedrohen das Meeresleben immer mehr.“ Es sei „allerhöchste Zeit, diese Verschwendung und die schlimmen Folgen zu stoppen“. EU-Umweltkommissar Janez Potocnik hatte am Donnerstag ein Diskussionspapier zur Verringerung des Plastikmülls vorgestellt. Allein 2010 seien EU-weit 95,5 Milliarden Plastiktüten in Umlauf gebracht worden.

Ein Sprecher des Bundesverbraucherministeriums erklärte dazu am Sonntag, die Bundesregierung investiere allein in den Jahren 2010 bis 2016 insgesamt 2,4 Milliarden Euro in Forschungsprojekte für den Wandel von einer erdöl- zu einer biobasierten Industrie. Dabei gehe es vor allem um die effiziente Nutzung von Reststoffen und die Erforschung neuer Produkte. „Im Vordergrund der Forschungsaktivitäten stehen der Verzicht auf fossile Stoffe wie Erdöl und der verstärkte Einsatz nachwachsender umweltfreundlicher Rohstoffe“, betonte der Sprecher außerdem.

( AFP )