Kriminalität

Wie China gegen den grausamen Kinderhandel vorgeht

Johnny Erling

Jubeln werden 63 verzweifelte chinesische Familien in den nächsten Tagen. Sie sollen ihre geraubten Babys wieder in ihre Arme schließen können.

Die Behörden versuchen, über DNA-Tests die Eltern der Kleinkinder und minderjährigen Bauernmädchen ausfindig zu machen. 6000 Polizisten befreiten die Kinder, nachdem sie Entführer und Weiterverkäufer gefasst hatten. Am 1. März abends hatten die Beamten in Großrazzien 20 Küsten- und Bauernprovinzen durchkämmt, gab die Polizei auf ihrer Webseite am Wochenende bekannt. Sie hob fünf Banden aus, die sich auf den grausamen Kinderhandel spezialisiert hatten, und nahmen 368 Verdächtige fest.

Die Befreiungsaktion ist nur ein buchstäblicher Tropfen auf den heißen Stein eines in der Volksrepublik weitverbreiteten Verbrechens. Pekings Generalstaatsanwalt Cao Jianming gestand am Sonntag in seinem Rechenschaftsbericht vor dem Volkskongress ein, dass Chinas Gerichte in den fünf Jahren seiner Amtszeit allein 18.752 Personen wegen Kinder- und Mädchenhandel anklagten. Seit Jahren haben Justiz und Polizei den Babyraub von Knaben und den Handel mit minderjährigen Mädchen nicht stoppen können, die aus Armutsgebieten entführt und zur Verheiratung an Bauern in anderen Provinzen weiterverkauft werden. Pekings Staatsrat beschloss nun am 3. März, eine neue Aktionskampagne bis 2020 zur Bekämpfung des Kinder- und Mädchenhandels zu starten, ein Eingeständnis der bisherigen Machtlosigkeit.

Der oberste Richter Wang Shengjun wies in seiner Fünf-Jahres-Bilanz den kriminellen Kinderhandel nicht eigens aus, sondern versteckte ihn unter einer Gesamtaufzählung von 1,35 Millionen angeklagten Fällen an Schwerstverbrechen neben Mord und bewaffnetem Raub.