Kirche

Mit Störsendern gegen Abhörversuche

Stoffreste, Bindfadenknäuel, Klebstoffdosen und Werkzeugkästen auf marmornen Sitzbänken: Noch herrscht in der Sixtinischen Kappelle erhebliches Durcheinander.

Handwerker montieren an beiden Längsseiten Tischreihen aus Spanplatten. Bereits installiert ist unter Michelangelos Jüngstem Gericht eine erhöhte Plattform, die für einen durchgängigen Fußboden zwischen den Längswänden sorgt. Von Dienstag an wollen sich hier die Kardinäle zum Konklave versammeln, um den Nachfolger des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI. zu bestimmen.

Vor dem Altar am Jüngsten Gericht macht das nackte Holz des Wahlhelfer-Tischs noch einen eher unfertigen Eindruck. Anderen Tischreihen hingegen verleihen bereits rote Stoffbahnen ein festliches Aussehen. Eine lange Rampe sorgt für Barrierefreiheit, so dass die Plattform auch mit Rollstühlen zu erreichen ist.

Im hinteren Teil der Kapelle ziehen die beiden Öfen für das Verbrennen der Stimmzettel und zur Erzeugung des weißen oder schwarzen Rauchs, der den Wahlausgang anzeigt, die Blicke der wenigen zugelassenen Besucher auf sich. Um den Fußboden der Kapelle aus bunten Marmorstücken nicht zu beschädigen, installierten die Handwerker unter den Öfen Schutzplatten aus Messing. In etwa zwei Meter Höhe laufen die beiden Ofenrohre in einem Baugerüst aus goldfarbenem Lack zusammen. Das lange Ofenrohr, das durch ein Fenster aus der Kapelle geführt wird, soll durch eine elektrische Vorrichtung vorgeheizt werden, um das Austreten des Rauchs und damit auch die richtige Farbgebung zu erleichtern. Beim letzten Konklave 2005 war nach der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst grauer Rauch aufgestiegen – was für ziemliche Verwirrung gesorgt hatte.

Die Orgel gegenüber den beiden Öfen wird nach der erfolgten Papstwahl wohl kaum ertönen. Das Geläut der Petersbasilika soll aber den weißen Rauch begleiten, um sofort jeden Zweifel über den positiven Wahlausgang zu zerstreuen. Allerdings blicken von einem Fresko in der Kappelle zwei Männer voll Schrecken scheinbar auf die beiden Öfen und raufen sich verzweifelt die Haare.

Bevor der päpstliche Zeremonienmeister Guido Marini am Dienstag allen nicht wahlbeteiligten Personen mit den Worten „extra omnes“ gebietet, die Sixtina zu verlassen, werden Techniker der vatikanischen Gendarmerie den Raum auf Abhör-Technik kontrollieren. Vor allem in dem erhöhten Fußboden lassen sich den Spezialisten zufolge leicht Wanzen verbergen, die schwierig zu orten sind.

Um den Kontakt zwischen den Kardinälen und der Außenwelt per Mobiltelefon und Smartphones zu verhindern, sollen Störsender aktiviert werden. Die hohen Fenster der Sixtina wurden bereits in den vergangenen Tagen verdunkelt, um Abhörversuche mittels Infrarotstrahlen zu vereiteln.