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Peinliche Ablehnung

Kein Sitzplatz Die Münchener Justiz hat vor dem NSU-Prozess um die Mordserie des Zwickauer Neonazi-Trios nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ für einen diplomatischen Eklat gesorgt. Obwohl acht der zehn Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) Türken waren oder aus der Türkei stammten, lehnte der in dem NSU-Prozess Vorsitzende Richter Manfred Götzl dem Bericht zufolge die Bitte des türkischen Botschafters nach einer Sitzplatzreservierung ab.

Bitte Vor dem Münchener Oberlandesgericht muss sich ab dem 17. April die einzige Überlebende des Neonazi-Trios, Beate Zschäpe, gemeinsam mit vier mutmaßlichen NSU-Helfern verantworten. Dem Bericht zufolge hatte der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags beim Gericht um eine Sitzplatzreservierung für die beiden offiziellen Vertreter der Türkei gebeten.

Schlangestehen In einem Brief habe Richter Götzl geantwortet, der Bitte könne nicht entsprochen werden. Es stehe dem Botschafter frei, sich als Teil der Öffentlichkeit zum Gericht zu begeben. Der Platz im Gerichtsaal sei beengt, Ausnahmen würden nicht gemacht. Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy (SPD), zeigte sich in dem Blatt „verwundert“ über die Antwort. Er nannte die Haltung des Gerichts „nicht nachvollziehbar“ und wertete sie als Affront. „Soll sich der türkische Botschafter etwa in die Schlange der Besucher einreihen, zusammen mit Neonazis, die zum Prozess wollen?“