Justiz

Wulffs ehemaliger Vertrauter angeklagt

Staatsanwaltschaft sieht bei Ex-Sprecher Glaeseker Verdacht auf Bestechlichkeit

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat den früheren Sprecher und Vertrauten von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit angeklagt. Die Ermittler halten es für erwiesen, dass Glaeseker dem Partymanager Manfred Schmidt bei der Suche nach Sponsoren für die Promi-Party Nord-Süd-Dialog half und dieser ihn im Gegenzug zu kostenlosen Urlauben in seine Privathäuser in Frankreich und Spanien einlud. Gegen Schmidt wurde Anklage wegen Bestechung erhoben.

Davon unabhängig läuft das Verfahren gegen den ehemaligen Bundespräsidenten weiter. Wulff wird in einem anderen Zusammenhang Vorteilsnahme in seiner Zeit als Ministerpräsident vorgeworfen. Ein Behördensprecher sagte: „Wir erwarten einen Abschluss des Verfahrens gegen Herrn Wulff in den nächsten Wochen.“ Der Anwalt von Wulffs Ex-Sprecher wehrte sich gegen die Anklage, die er per Fax erhielt: „Wir werden jetzt schriftlich gegenüber dem Gericht Stellung nehmen und klar herausstellen, dass es unzweifelhaft eine enge Freundschaft zwischen meinem Mandanten und Herrn Schmidt gibt.“

Glaeseker und Schmidt wird Bestechlichkeit und Bestechung in drei Fällen vorgeworfen. Der Ex-Sprecher Wulffs soll laut Staatsanwaltschaft Hannover „verabredungsgemäß Sponsorengelder in Höhe von wenigstens 650.000 Euro eingeworben und die Eventagentur des Angeschuldigten Schmidt bei Vertragsverhandlungen unterstützt haben“. Als Belohnung für seine Gefälligkeiten habe Glaeseker neun Urlaubsaufenthalte sowie 19Freiflüge im Gesamtwert von etwa 12.000 Euro von Schmidt erhalten.

Partyveranstalter Schmidt hat laut Anklage mit der Organisation der Promi-Party einen Gewinn von mehr als einer Million Euro erzielt. Glaeseker warb demnach als Sprecher der Regierung von Niedersachsens Ministerpräsident Wulff 650.000 Euro Sponsorengelder ein. Die Partys waren angekündigt als Netzwerkveranstaltungen der Länder Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Wulff war im Februar 2012 nach Einleitung staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsnahme von seinem Amt als Bundespräsident zurückgetreten. Hintergrund waren auch Vorwürfe im Zusammenhang mit Urlauben und Hotelaufenthalten, für die der Filmproduzent David Groenewold zum Teil die Rechnungen bezahlt haben soll. Zuletzt schien es so, als ob die Beweislage für eine Anklage Wulffs nicht ausreicht.

134 Seiten, 47 Zeugen

Die Anklageschrift gegen Glaeseker umfasst 134 Seiten, die Staatsanwaltschaft benennt 47 Zeugen. Ob sie auch Wulff als Zeuge hören will, wollte der Sprecher der Behörde nicht beantworten. Wann das Verfahren im Landgericht Hannover beginnt, ist noch offen. „Das ist allein die Entscheidung der 3.Großen Strafkammer“, sagte eine Gerichtssprecherin. Das Verfahren werde aber umfangreich werden. Über die bevorstehende Anklage hatten zuvor die „Bild am Sonntag“ und das ARD-Magazin „Panorama“ berichtet.

Gegen Glaeseker und Schmidt wurde seit Anfang 2012 ermittelt. Das enge Beziehungsgeflecht war im Zuge der Kreditaffäre um Wulffs Haus in Großburgwedel in den Fokus der Justiz geraten.