Justiz

Koch-Mehrin unterliegt im Doktortitel-Streit

Gericht weist Klage ab. 125 Plagiate auf 80 Seiten

Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, 42, hat im Kampf um ihren Doktortitel eine weitere Niederlage eingesteckt. Das Verwaltungsgericht in Karlsruhe wies am Mittwoch ihre Klage gegen den Entzug des Titels ab. Eine ausführliche Begründung wird das Gericht erst in den kommenden Wochen vorlegen. Koch-Mehrin kann nun beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim Berufung einlegen. Ihr Anwalt hatte diesen Schritt bereits am Montag nach der Verhandlung erwogen.

Die Universität Heidelberg hatte der EU-Parlamentarierin im Juni 2011 den Titel aberkannt. Bei der Überprüfung ihrer Doktorarbeit über die „Lateinische Münzunion 1865–1927“ hatte der Kommissionsausschuss auf 80 Seiten 125 Plagiate gefunden. Die Politikerin gestand „Mängel an Quellennachweisen“ ein, verwies aber darauf, dass diese bei der Abgabe ihrer Arbeit vor 13 Jahren bekannt gewesen seien.

Für Koch-Mehrins Anwalt Christian Birnbaum hätte es die Universität bei einer Rüge belassen können. Dies sei vertretbar, denn seine Mandantin habe „ein paar Sachen herausgefunden, die vor ihr keiner rausgefunden hat“. Als weitere Lösung schlug er vor, Koch-Mehrin könne die Arbeit nachbessern. Mit diesem Vorschlag hatte er in der zweiten Verhandlung am vergangenen Montag den Zorn des Geschichtsprofessors Manfred Berg auf sich gezogen, der vor zwei Jahren als Dekan für das Verfahren zuständig war. Bei der Menge an Plagiaten müsse die Arbeit praktisch neu geschrieben werden, sagte er. Es sei der Fakultät aber „nicht zuzumuten, Frau Koch-Mehrin nochmals als Doktorandin anzunehmen“.

FDP-Chef Philipp Rösler geht unterdessen mit schlechten persönlichen Umfragewerten in den Parteitag am Wochenende. Nur 23 Prozent der Befragten trauten Rösler in einer Umfrage im Auftrag des „Sterns“ zu, dass er bei der Bundestagswahl für möglichst viele Wählerstimmen sorgen kann. Deutlich stärker als Rösler stand Ex-Generalsekretär Christian Lindner da. Ein Drittel der Bürger glaubte, dass der Chef der NRW-FDP der Bundespartei bei der nächsten Wahl ein gutes Ergebnis bescheren könnte.