Bundeswehr

„Kultureller Schock“ in der Patriot-Kaserne

Wehrbeauftragter beklagt Probleme beim Armee-Einsatz in der Türkei

Verdreckte Toiletten, Kontaktverbot zu türkischen Kameraden und Schikane durch den Zoll: Der Bericht von Hellmut Königshaus (FDP) zu den Bedingungen in der Patriot-Kaserne im türkischen Kahramanmaras ist erschreckend. Der Wehrbeauftragte des Bundestages war vergangene Woche bei seinem Truppenbesuch auf die Missstände aufmerksam geworden. Daraufhin hatte er die Obleute des Verteidigungsausschusses schriftlich unterrichtet. „Die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite wird überwiegend als problematisch empfunden“, heißt es in dem Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Zudem sei die türkische Seite „wenig hilfreich“. Nach dem Eindruck der Bundeswehrsoldaten werde der Kontakt zwischen deutschen und türkischen Kräften „möglichst unterbunden“, schreibt Königshaus in seinem siebenseitigen Bericht. So würden türkische Soldaten durch ihre Vorgesetzten „gemaßregelt“, wenn sie Kontakt mit Bundeswehrsoldaten aufnähmen.

Er bitte das Ministerium um „ergänzende Hintergrundinformationen“, ob die USA und die Niederlande, die ebenfalls Soldaten für die Raketenabwehr stellen, vergleichbare Schwierigkeiten hätten. Königshaus kritisiert vor allem die Zustände in der türkischen Kaserne, in der die deutschen Soldaten arbeiten; untergebracht sind sie in Hotels. „Als ich auf dieser Toilette war, konnte ich nicht mehr Mittag essen“, sagte Königshaus. Die mobilen Sanitäranlagen hätten bisher keine funktionierende Wasserspülung. Der Wehrbeauftragte monierte, dass der Patriot-Einsatz zu schlecht vorbereitet worden sei. Vor Weihnachten sei vielleicht die eine oder andere Dienststelle nicht mehr besetzt gewesen, die bestimmte Dinge hätte organisieren müssen, mutmaßt er. „Ein Teil war bestimmt auch wieder typisch deutsche Bürokratie.“

„Es gibt auch einen kulturellen Schock“, sagte Königshaus. Zum Beispiel hätten sich türkische Soldaten entrüstet, wenn ihre deutschen Kameraden in der Kaserne joggen wollten. Schwierigkeiten gebe es etwa dadurch, dass die türkische Armee bestimmte Nato-Statuten nicht akzeptiere.

Missstände hat Königshaus zudem bei der Feldpostversorgung aufgedeckt. Der Landtransport führe zu langen Laufzeiten, und der türkische Zoll sorge für zusätzliche Verzögerungen. „Außerdem können die Soldaten seit 14 Tagen keine Zigaretten im Marketenderladen kaufen.“ Probleme gebe es auch, wenn deutsche Soldaten die Kasernen verlassen wollten. Drei Soldaten seien über Tage daran gehindert worden. Der „Bild am Sonntag“ bestätigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) Probleme zwischen den türkischen und den deutschen Soldaten. „Natürlich habe auch ich bei meinem Besuch in der Türkei gewisse Probleme wahrgenommen, obwohl ich eher die Schokoladenseite gezeigt bekomme.“ Er sieht die Reibereien aber gelassen: „Man muss auch sehen, dass die Traditionen unterschiedlich sind. Ich denke, unsere Soldatinnen und Soldaten treten verantwortungsbewusst und energisch für ihre Interessen vor Ort ein.“ Er versprach bessere Bedingungen: Die Bundeswehr habe zunächst dafür sorgen müssen, dass sie ihren Auftrag erfüllen könne.