Parteien

Piraten geben ihrem Geschäftsführer die Note Sechs

Die Parteimitglieder stimmen über die Arbeit von Johannes Ponader ab. Der Tenor ist deutlich

All die Häme. Die Ausgrenzung im Bundesvorstand. Parteifreunde, die sich zu Parteifeinden verwandelt haben. „Freak“, schreiben manche über ihn. Warum tut sich Johannes Ponader das nur an? Wenn man dem umstrittenen politischen Geschäftsführer der Piratenpartei diese Frage stellt, schweigt er zunächst. Das ist eine Besonderheit. Der redegewandte Pirat zögert eigentlich nicht. Doch nun geht es darum, wie schwer der Mensch im Politiker getroffen ist. Öffentlich sagt er deshalb nur: „In einer Gruppe vertritt immer jemand eine Minderheitsmeinung. Das bin derzeit eben ich.“ Sind Journalisten aber nicht dabei, wird Ponader deutlicher: Es gehe ihm „beschissen“.

Ponader ist zum Außenseiter im Bundesvorstand der Piraten geworden. Manche im Gremium wollen ihn am liebsten loswerden. Für sie ist er das Grundübel des derzeitigen Misserfolgs. Doch er gibt nicht auf. Das ist am Ende vielleicht das Problem. Der Schauspieler, Regisseur und Pädagoge steht seit fast einem halben Jahr im Mittelpunkt der Streitereien im Bundesvorstand. Der Kleinkrieg innerhalb der Runde überschattet in der Berichterstattung die inhaltliche Arbeit der Piraten.

An den erhofften „frischen Wind“ durch die Piraten glaubt fast niemand mehr in der Bevölkerung. In den Umfragen ist die Partei abgestürzt. Von über zehn auf rund zwei Prozent. Der Bundesvorstand hat deshalb per E-Mail alle Mitglieder befragt: Sollen auf dem Parteitag im Mai vorzeitig neue Oberpiraten gewählt werden? Zudem durften die Piraten jedem Einzelnen im Bundesvorstand eine Note geben. Es ist vor allem eine Abstimmung über Ponader, der die Umfrage nicht verhindern konnte. Mehr als 5000 der rund 35.000 Piraten haben geantwortet. Am Montag wird bekannt gegeben, was die Basis auf dem Parteitag machen will. Jedes Vorstandsmitglied kann hingegen selbst entscheiden, ob es sein persönliches Zeugnis veröffentlicht.

Ponader hat seine Zahlen veröffentlicht. Das Ergebnis ist niederschmetternd. 2111 Piraten wollten die Bewertung nicht auslassen und gaben Ponader eine Note. Und mehr als die Hälfte, 1187, verpassten ihm eine Sechs. Ein paar der Kritikpunkte? „Verstrahlter Spinner.“ „Fatal in der Außendarstellung. Leider von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen.“ „Übernimm endlich Verantwortung für die Partei und stell Deine Person hinten an.“ „Seine Auftritte sind unzumutbar, zu stark provozierend und entsprechen nicht meinen Vorstellungen eines seriösen Politikers, sondern eher eines Clowns.“ „Ist in meinen Augen ein Chaot und Selbstdarsteller.“

Das Drama begann im April 2012. Marina Weisband, der Liebling vieler Piraten, war gerade vom Amt des politischen Geschäftsführers zurückgetreten. Nun wurde Ponader mit überwältigender Mehrheit zu ihrem Nachfolger gewählt. Weisband umarmte Ponader und rief überglücklich: „Freiheit!“ Ponader lachte, aber freute sich nicht. Vielleicht wusste er, wie schwer es werden würde.

Ponader muss als Geschäftsführer Piraten-Themen in der Öffentlichkeit platzieren. Doch wie er seine Geschichte mit dem Piratenprogramm verknüpfte, gefiel dem Führungsgremium bereits im Sommer 2012 nicht. Es hieß, er sei „beratungsresistent“. Der Geschäftsführer hingegen fühlte sich mit guten Ideen allein gelassen. Die Meinungsverschiedenheiten wurden zum Dauerstreit. Parteichef Bernd Schlömer hielt es nicht mehr aus und riet Ponader leicht abfällig, „mal zu arbeiten“. Vize Sebastian Nerz legte Ponader den Abschied nahe. Zuletzt überwarf sich Ponader mit dem Berliner Fraktionschef Christopher Lauer. Alle stehen doof da. Lauer als Sprücheklopfer. Schlömer als zahmer Parteichef. Und Ponader als Querulant, der immer wieder Streit anzettelt und die Piraten damit in den Umfragen versenkt.

Die Umfrage könnte Frieden bringen. Viele im Bundesvorstand hoffen, dass Ponader künftig nicht mehr querschießt. Einen mit Schlagzeilen begleiteten Rücktritt wünschen sie sich jedenfalls nicht. Ponader erklärte vor der Abstimmung nur, dass die Bewertung wegen technischer Unzulänglichkeiten nicht akzeptabel sei. Aber auch mit dieser Ansicht stand er ziemlich allein da.