Anschlag

Festnahmen nach Mord an Oppositionellem in Tunesien

Der mutmaßliche Mörder des tunesischen Oppositionspolitikers Chokri Belaïd ist identifiziert, aber weiter auf der Flucht.

Das tunesische Innenministerium dementierte am Dienstag Berichte über die Festnahme des Haupttäters. Bei drei in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen handelt es sich demnach nur um mutmaßliche Komplizen des Mörders. Sie werden der Salafisten-Bewegung zugerechnet, die als Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten gilt.

Einer der Festgenommenen im Alter zwischen 24 und 34 Jahren soll sich auf eine Fatwa – ein islamisches Rechtsgutachten – über Belaïd berufen haben. Dieses spricht sich offensichtlich für die Tötung Belaïds aus. Der 48-jährige Jurist galt als scharfer Kritiker der in Tunesien regierenden Islamisten und hatte sich für eine Trennung von Staat und Religion eingesetzt. Er wurde vor drei Wochen vor seinem Haus erschossen.

Belaid war am Morgen des 6. Februar vor seinem Wohnhaus erschossen worden. Seine Ermordung stürzte Tunesien in eine tiefe Krise. Die Opposition machte die islamistische Regierungspartei Ennahda und ihren Vorsitzenden Rached Ghannouchi für die Tat verantwortlich, es kam zu heftigen Protesten. Ghannouchi und die Ennahda weisen jede Verantwortung zurück.

Als Ausweg aus der Krise wollte der bisherige Regierungschef Hamadi Jebali eine Expertenregierung bilden, er scheiterte aber am Widerstand seiner Ennahda-Partei und trat daraufhin zurück. Die Ennahda benannte inzwischen Innenminister Ali Larayedh als ihren neuen Kandidaten für das Amt. Er wurde am Freitag mit der Regierungsbildung beauftragt.

Nach der Festnahme der mutmaßlichen Helfer des Mörders hat die Witwe Belaïds Klarheit über den möglichen Auftraggeber gefordert. „Es ist gut zu wissen, wer (die Tat) ausgeführt hat, für mich ist es aber sehr wichtig zu wissen, wer den Auftrag gegeben hat“, sagte Basma Belaid am Dienstag dem französischen Sender Europe 1 in Paris. Ihr Mann sei einem Auftragsmord zum Opfer gefallen, „denn es war ein durchgeplantes Verbrechen“. „Wir wollen einen Prozess, und dass die Ermittlungen vorangetrieben werden und alles aufgedeckt wird“, sagte sie.

Vertreter der Polizei hatten zuvor gesagt, bei einem der Festgenommenen handele es sich um den mutmaßlichen Mörder des Oppositionellen. Tunesische Medien berichteten sogar von einem angeblichen Geständnis.