Kirche

Umfrage: Die Deutschen wollen einen Reformer als neuen Papst

Die meisten Deutschen wünschen sich einen progressiven Papst als Nachfolger von Benedikt XVI.

Nach Ansicht von 95 Prozent der Bundesbürger soll das künftige Kirchenoberhaupt Verhütungsmittel wie Pille und Kondom zulassen, so die Forsa-Studie für den „Stern“. 88 Prozent fordern, der Papst solle Ehescheidungen nach weltlichem Muster akzeptieren. 82 Prozent äußerten die Erwartung, dass er die Verpflichtung katholischer Priester zur Ehelosigkeit abschafft und Frauen zum Priesteramt zulässt. Laut Umfrage sind drei von vier Deutschen (76 Prozent) der Auffassung, die katholische Kirche solle ein „Recht auf Schwangerschaftsabbruch“ anerkennen. 60 Prozent sprechen sich für eine kirchliche Anerkennung von „Homo-Ehen“ aus. Die befragten Katholiken stimmten allen Punkten ähnlich zu wie Protestanten oder Konfessionslose. Bei der repräsentativen Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich.

Der Gesundheitszustand von BenediktXVI. hat sich einem Medienbericht zufolge in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschlechtert. Der Papst sei auf einem Auge fast blind und leide zudem an Bluthochdruck, berichtete der italienische Vatikan-Reporter Marco Tosatti am Mittwoch auf seinem Blog „Vatican Insider“. Tosatti bezog sich auf vertrauliche Informationen von Gehilfen des Papstes, die er bis zum Ende des Pontifikats geheim halten wollte. Mit der Rücktrittsankündigung Benedikts zum 28. Februar sei er nun von dieser Verpflichtung entbunden, erklärte Tosatti. Wegen des Bluthochdrucks habe der Arzt des Papstes empfohlen, Flugreisen einzuschränken und auf den Transatlantikflug zum diesjährigen Weltjugendtag in Rio de Janeiro zu verzichten. Der 85-jährige Papst habe zudem oft Schlafprobleme und sei auf Auslandsreisen in der Vergangenheit mehrfach aus dem Bett gefallen. Wegen Schmerzen an Hüfte und Knie müsse er in seiner Residenz auf einen Gehstock zurückgreifen.

Der kalifornische Kardinal Roger Mahony will unterdessen trotz heftiger Kritik an seiner Rolle im Missbrauchsskandal am Konklave zur Wahl eines neuen Papstes teilnehmen. Ein Fernbleiben wäre auch kirchenrechtlich bedenklich, machte am Mittwoch der Vatikan-Historiker Ambrogio Piazzoni deutlich. Schließlich sei es die wesentliche Aufgabe eines Kardinals, sich an der Abstimmung im Konklave zu beteiligen, sagte Piazzoni, der auch stellvertretender Präfekt der Vatikan-Bibliothek ist. In den USA werfen viele Katholiken Mahony vor, Priester geschützt zu haben, die in sexuellen Missbrauch verwickelt waren.